Dánjal - The Bubble - Cover
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Dánjal The Bubble


  • Label: Peregrina/in-akustik
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer sich nicht scheut, die Blase zum Platzen zu bringen, erlebt das bunte Chaos nirgends so schön und ungeschönt wie auf Dánjals „The Bubble.

Fassungslos möchte man sein, wenn der Musikstrudel der nordischen Band Dánjal das erste Mal aus den Boxen platzt. Ein wenig hebräisch angehaucht, sehr viel Gypsie und keine Angst vor fünfminütigen Instrumentalnummern. Wenn so ein Debüt dem Hörer keinen Schock versetzt, dann ist die Rechnung aufgegangen. Bisher blieb der Wahnsinn doch noch auf Island mit Björk und Sigur Rós um nur die bekanntesten Beispiele zu nennen. Jetzt spinnen also auch die Herrschaften auf den Färöer Inseln.

Angeführt von einem Mann aus gut situiertem, politisch geprägten Hause könnte man sich nichts Ferneres als akustischen Gypsie-Rock vorstellen, der von The Beatles bis Kashmir alles aus den letzten Jahrzehnten zitiert, ohne seine nordische Eigenheit zu verlieren. Sucht man nach einer zeitgenössischen Parallele, hört man am besten den Soundtrack zu Guy Ritchies neuem Sherlock Holmes. Beschwingt wie auf einer jüdischen Hochzeit (dramatisiert in Kinofilmen) trällern die Klarinetten in „With You“ beschwingt los, um im Tempobruch von Bläsern, Streichern und rauem, ungeschönten Gesang abgelöst zu werden. Willkommen in der kompromisslosen Zigeuner-Musikwelt, die Dánjal um sich aufbaut.

Aber auch ohne Gesang, viele psychedelische Instrumental- und Choraleinlagen wie im Opener weiß das Album stets neu zu überraschen. Hält sich „Balloon Dance (Prelude)“ noch an den ganz normalen Wahnsinn des Auftakts, ist „Blow The Bubble“ der erste Akustik-Pogo-Song des Albums. Dieses Lied wird bei Live-Auftritten die Massen zum Toben bringen. Auf CD gebannt weiß das Lied nicht ganz, ob sein Wahnsinn oder seine Energie das Ruder übernehmen sollen. Aber selbst wenn das Live-Gefühl arg abhandenkommt, kann die vielseitige Art der Lieder in ihrem persönlichen Charme (manche nennen es immer noch Wahnsinn) überzeugen.

Dass das Album sich keinem bestimmtem Publikum beugen will, zeigt „Give Me“ als reines Instrumentalstück am deutlichsten. Hier wird sich nicht angebiedert, sondern das gemacht, was Freude und Ausdruck verleiht. Das orientalische Flair des Instrumentalstücks ist im Gesamtbild willkommen, wird an den weniger geduldigen Hörern jedoch komplett vorbeigehen. Ansonsten gibt es, abgesehen vom kurzen „And So It Grows... Again“ insgesamt acht schön verrückte Gypsie-Rock-Songs, die ihre psychedelische Art ruhig und bedrohlich („With You 2“), aber auch im Stile „St. Peppers“ wie bei den Pilzköpfen zum Besten geben („Paint Me Blue“). Wer sich nicht scheut, die Blase zum Platzen zu bringen, erlebt das bunte Chaos nirgends so schön und ungeschönt wie auf Dánjals „The Bubble.

Anspieltipps:

  • With You
  • Paint Me Blue
  • Blow The Bubble

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