Enno Bunger - Wir Sind Vorbei - Cover
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Enno Bunger Wir Sind Vorbei


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Für sich allein gestellt geben die Songs wunderbare Schaukästen des melancholischen Deutsch-Pop ab.

Ein Mann und sein Klavier. Enno Bunger macht sich mit „Wir Sind Vorbei“ daran, am ewig schwierigen Piano-Pop-Album zu basteln. Das Rezept ist dabei sehr britisch. Eine Hymne nach der Anderen, die an die romantischen Momente Voltaires erinnert. Diese Prämisse könnte schlechter sein, gilt für viele Insider Voltaire weiterhin zur Elite der deutschen Popmusik. So international, treffend und emotional will auch Bunger wirken und lässt sich damit keine Sekunde zu viel Zeit.

Gleich mit „Blockaden“ beginnt Bungers Album pompös mit eben dem nachdenklich melancholischen Piano und zum Crescendo auch noch Bläsereinlagen. Hier trifft alles zusammen, was man von Gitarren-freiem Pop erwartet. Sufjan Stevens trifft Voltaire und nur der nicht ganz so mitreißende Gesang Bungers selbst bremst die ersten Erwartungshaltungen an diesen Auftakt. Tatsächlich kann Bunger sein Programm einfach weiter abspulen und auch „Euphorie“ gibt mit „Ohs“ und leichtem Piano eine optimistische Ohrwurm-Ballade, die weich, aber belebt wirkt.

Abgesehen von „Euphorie“ herrscht allerdings die nachdenkliche Melodie, die gerade zur zweiten Hälfte des Albums wiederholt klingt. „Ich Möchte Noch Bleiben, Die Nacht Ist Noch Jung“ erinnert stark an schon gehörte Strukturen des Auftakts und man denkt an das Problem, das schon Das Gezeichnete Ich hatte. Wenn die Stimmung des Albums so stark wirkt, dass die Eigenheit der Stücke unterdrückt wird. Dazu kommt dann noch die merkwürdige Entscheidung, das Album mit einem knapp acht minütigen Instrumentalstück ausklingen zu lassen.

Neben der mit der Dauer etwas eintönigen Stimmung der Lieder und dem fragwürdigen Schluss sind die Songs für sich allein gestellt allerdings schöne Schaukästen an melancholischem Deutsch-Pop. Die Texte sind clever und nicht nur leere Phrasen und die Melodien sind immer berührend und/oder packend. Gerade wer sich auf die gegebene Stimmung des Albums einlassen möchte, der wird nichts zu meckern finden. Nur für das ganz große Gehörkino fehlen die Nuancen innerhalb des Albums, die Bunger in den Olymp der deutschen Musikgesellschaft heben.

Anspieltipps:

  • Blockaden
  • Euphorie
  • Abspann

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