Adrenaline Mob - Omerta - Cover
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Adrenaline Mob Omerta


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Adrenaline Mob liefern energiegeladenen Hardrock mit einem Schuß Heavy Metal und einer großen Portion Massentauglichkeit, vergessen aber auf ansprechendes Songwriting und zwingende Ideen.

Die Begutachtung einer neuen Supergroup ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man kriegt! Diese Binsenweisheit ändert sich auch beim jüngsten Vertreter seiner Art namens Adrenaline Mob (einer Zusammenführung von bestehenden oder ehemaligen Mitgliedern von Symphony X, Dream Theater und Disturbed) nicht. Russell Allen (Gesang), Mike Orlando (Gitarre), John Moyer (Bass, ist erst nach den Arbeit zu „Omerta“ zur Band gestoßen) und Mike Portnoy (Schlagzeug) verlassen den sicheren Hafen ihrer Hauptbands bzw. machen sich auf die Suche nach neuen Erfahrungen und versuchen sich an energiegeladenem Hardrock mit einem Schuß Heavy Metal und einer großen Portion Massentauglichkeit. Das klingt angesichts der bekannten Fähigkeiten der vier Herrschaften erst einmal befremdlich und entpuppt sich nach längerer Auseinandersetzung auch keineswegs als Meisterwerk, doch die Basis, die mit „Omerta“ geschaffen wurde, ist zumindest alles andere als verachtenswert.

„,Omerta‘ ist der Blutschwur, den du ablegst, um der Mafia beizutreten und wir drei sind definitiv Blutsbrüder. Und jetzt wollen wir, dass unsere Freunde der Familie beitreten.“ fassen Adrenaline Mob kurz und knapp das Ziel hinter ihrem Debüt zusammen. Wenn die Erreichung dessen doch nur so einfach wäre! Lässt man nämlich den großartigen Opener „Undaunted“, sowie das mit einnehmendem Refrain ausgestattete „Come undone“ einmal außen vor und blendet die großartige Perfomance von Allen, der als Ronnie James Dio-Imitat zu „Dehumanizer“-Zeiten mit gepresstem Stimmvolumen alles in Grund und Boden schreit, und die flinken Gustostückerl von Orlando aus, bleiben lediglich nett gemeinte Midtempotracks mit balladesken Elementen („Indifferent“, „Believe me“), einschläfernde Schmachtfetzen mit schmalzigen Texten („All on the line“ , „Angel sky“), auf hip getrimmte Lächerlichkeiten („Down to the floor“) und nicht sonderlich subtile Schwanzrocker über, die meist mit dem Kopf durch die Wand wollen und aufgrund der offensiven Herangehensweise schon in der ersten Runde in die Knie gehen („Hit the wall“, „Feelin´ me“).

Besonders enttäuschend ist in dieser Hinsicht Drummer Portnoy, der sich kein Beispiel an Allens Feuer oder Orlandos Spielfreude genommen hat, sondern beinahe lustlos, wenn auch souverän, seinen Part beisteuert. Im Hinblick auf seine Großtaten bei Dream Theater wirkt die Aussage „Das ist eine neue Band mit einem neuen Sound und einem neuen Anfang. Vergesst, was wir in der Vergangenheit gemacht haben. Ich schätze die letzten 25 Jahre mit Dream Theater und blicke mit Stolz zurück, aber es ist an der Zeit für mich, dieses neue Kapitel aufzuschlagen. Man kann es damit vergleichen, wie Dave Grohl damals mit den Foo Fighters neu angefangen hat – so sehe ich das.“ in diesem Zusammenhang jedenfalls schon fast wie eine Drohung. Kleine Parallelen zu den Hauptbands der Beteiligten gibt es in „Undaunted“ oder „Freight train“ zwar zu begutachten, wenn Allen z.B. Dave Draimans einzigartigen Gesangsstil kopiert, doch die erdrückende Belanglosigkeit und Durchschnittlichkeit der restlichen Songs kann darüber nicht hinweg täuschen.

Fazit: Russell Allen ist ein Genuß und Mike Orlando bei seiner Arbeit zuzuhören macht außerordentlich Spaß, doch gerade Mike Portnoy bleibt meilenweit hinter seinen Möglichkeiten, die tonnenschwere Produktion erschlägt einen ausgewachsenen Elefanten ohne mit der Wimper zu zucken und das Songwriting ist trotz des einen oder anderen Details der vielversprechenden Musikerkonstellation nicht würdig. Hoffentlich wird aus diesem Staraufgebot in Zukunft größeres Kapital geschlagen!

Anspieltipps:

  • Undaunted
  • Come Undone

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