Colorbox - Fortune Cookies - Cover
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Colorbox Fortune Cookies


  • Label: GLM/Soulfood
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Guten Morgen alle miteinander. So begrüßt der deutsche Jazz-Vierer Colorbox seine Hörer mit „Fortune Cookie“-Opener „Afro Blues“. Wie eine Jazz-Melodie fürs Frühstücksfernsehen klingen die hohen Saxophone und das belebte Piano sechs Minuten lang durchs Zimmer und sorgen für gute Laune und Verwunderung. Denn so aufweckend und wohl strukturiert der erste von acht Klangausflügen ist, so wenig hat der Song mit seinem Namen zu tun. Afrikanische Rhythmen sucht man (meist) vergebens und so streicht man die vielen Einflüsse, die die Tracknamen erwarten lassen gleich und bereitet sich einfach nur auf eins vor: Richtig feinen Jazz.

Das schöne und für manche Virtuosen vielleicht auch befremdende an Colorbox' Jazz ist die starke Strukturiertheit. Nur selten hat man das Gefühl, dass die Parts improvisiert sind. Nun sind laut Eigenaussage aber jede Menge solche Teile vorhanden, genau wie die vorstrukturierten Teile. So muss Colorbox zumindest gelassen werden, dass sie die Übergänge nahtlos hinbekommen. Jazz-Laien, denen all die Improvisation eines Mile Davis zu anstrengend ist, finden auf „Fortune Cookies“ eine recht zahme Spielwiese vor, die klar strukturierten, einfach im Ohr zu behaltenden Jazz liefert. Wie oft solche Platten aktiv gehört werden, ist dann wieder eine andere Geschichte, da der Neuentdeckungswert von Melodien und Harmonien natürlich nicht so hoch ist, wie bei allzu stark improvisiertem Jazz der alten Schule.

Zugegeben ist es sehr viel Standard-Jazz, den man sich weiterhin im Fernsehprogramm als Hintergrund vorstellen kann. Gerade, wenn fremdartige Einflüsse gänzlich ausbleiben (wie in „Glueckskekse“), kann die Musik kaum noch mit etwas Besonderem punkten. Dagegen sind die Mischungen immer gleich viel interessanter, wenn zum Beispiel ein südamerikanisch gespieltes Piano („Schnee Auf Kuba“) den Hörer umgarnt und die leise Atmosphäre eines intensiven Club-Auftritts gemimt wird („Deep In My Heart“).

So bleibt außer ein, zwei schwachen Fahrstuhlmusikerinnerungen nicht viel zu meckern an einer leicht verdaulichen Jazz-Tour, die sich an keiner bestimmten Richtung festbeißt. Die Band schafft es ihrem Namen und Gusto entsprechend eine ganze Bandbreite des Jazz abzudecken, doch ob es nicht noch besser gegangen wäre und ein paar Farbspektren außen vorgelassen wurden: Darüber lässt sich wie immer herrlich streiten.

Anspieltipps:

  • Schnee Auf Kuba
  • Afro Blues
  • Deep In My Heart

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