Jazzkantine - Spielt Volkslieder - Cover
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Jazzkantine Spielt Volkslieder


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Ergebnis ist keinesfalls durchweg gelungen, für Interessierte jedoch durchaus einen Klangausflug wert.

Die Idee ist so einfach, wie gewagt, wie genial: Die Jazzkantine, die sich schon vielen Genres angenommen hat, schnappt sich die verpönte deutsche Volksmusik und schaut, was es beim „Volxliedgut“ deutscher Nation so herauszuholen gibt. Die neun Jazzfreunde haben sich dabei an Melodien gehalten, die jedem bekannt sein sollten und so erwischt man sich selbst bei Abneigung dabei, wie man zu „Im Frühtau Zu Berge“ und „Bruder Jakob“ oktoberfestreif mitwippt. Ob das zu viel der Provokation ist, diese Songs für Jazz-, Soul- und HipHop-Verwurstungen zu nutzen, zeigt sich auf satten 15 Tracks.

Man mag es kaum glauben, aber auch deutsche Volksmusik ist durchaus vielschichtig. Besonders da die Jazzkantine sich auch bei „Für Elise“ bedient und es als „Ode An Die Freude“ leicht umgetextet anbietet. Gerade in solchen Fällen wird die Größe deutscher Musik in ein Gewand der modernen Kammermusik gesteckt, was nicht immer zum Vorteil der Vorbilder geschieht. So klingt eben die „Ode An Die Freude“ und auch ein „Kein Schöner Land Zu Dieser Zeit“ wie eine merkwürdige besetzte Hymne für neue Identifikation mit Deutschland. An und für sich ist die entspannte Herangehensweise letzteren Tracks nett gedacht. Die allzu Volksmusik-veranlagte Melodie des Gesangs reibt sich jedoch mit dem Soul der Nummer und ist nicht der Einzige Ausrutscher auf „Spielt Volkslieder“.

Autor Peter Schanz ist als regelmäßiger Gast ebenfalls eine durchschnittlich gute Wahl für das neueste Projekt der Jazzkantine. Der ebenfalls gelernte Dramaturg und Regisseur sorgt in „Fragebogen“ und „Volxliedgut“, genauso wie in „Wenn Ich Ein Vöglein Wär“ mehr für Ver- statt Bewunderung. Die Spoken-Word-Einlagen klingen befremdlich und nehmen abermals den Liedcharakter und entführen den Hörer etwas unpassend in einigermaßen gelungene Poetry-Slam-Welten.

Doch nicht alles ist schlecht, wenn die Jazzkantine Volkslieder spielt. „Auf Einem Baum Ein Kuckuck“ lässt sich herrlich als Jazznummer anhören und „Im Frühtau Zu Berge“ gibt sich im Funk-Rock-Gewand keinerlei Blöße. Hier macht es Spaß, wie die alten Lieder neu vertont wurden und man merkt die Freude und die Spiellust der Kantine. Genauso reißt „Bruder Jakob“ mit interessantem Rock-Ansatz mit. Nur „Es Tanzt Ein Bi-Ba-Butzemann“ übertreibt es und sorgt für Fremdscham. Ansonsten sind aber auch so bekannte Melodien wie „Die Gedanken Sind Frei“ und „Hoch Auf dem Gelben Wagen“ solide verarbeitet, sodass sich Licht und Schatten einen ausgeglichenen Kampf liefern. Das Ergebnis ist somit keinesfalls durchweg gelungen, für Interessierte jedoch durchaus einen Klangausflug wert.

Anspieltipps:

  • Im Frühtau Zu Berge
  • Bruder Jakob
  • Auf Einem Baum Ein Kuckuck

Dieser Artikel ging am um 10:28 Uhr online.
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