Pet Shop Boys - Please - Cover
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Pet Shop Boys Please


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die große Stärke von „Please“ ist die ausgewogene Mischung aus kommerziellen, am Massengeschmack orientierten, schnörkellosen Pop-Songs und nachdenklichen, stillen Momenten.

Mit ihrem 1986 erschienenen ersten Album legten Sänger Neil Tennant und Keyboarder Chris Lowe den Grundstein für eine der erfolgreichsten und beständigsten Pop-Karrieren der vergangenen 25 Jahre. Bis heute besitzen die Pet Shop Boys eine hohe popmusikalische und kommerzielle Relevanz, was sich in den hohen Verkaufszahlen ihres 2009er-Albums „Yes“ sowie einer erfolgreich absolvierten Stadion-Tour im Vorprogramm von Take That im vergangenen Jahr zeigte. Schon auf ihrem Debütalbum präsentierten sie deutlich und unüberhörbar ihre musikalischen Stärken und Fähigkeiten, die sie auch heute noch auszeichnen: ein facettenreicher, außergewöhnlicher Gesang verschmilzt mit mal tanzbaren, mal melancholischen aber stets ausgefeilten und durchdachten Synthie-Klängen zu einer anspruchsvollen und ungemein eingängigen Pop-Musik. Auf „Please“ bewiesen sie zum ersten Mal dieses eindrucksvolle Talent.

Die große Stärke von „Please“ ist die ausgewogene Mischung aus kommerziellen, am Massengeschmack orientierten, schnörkellosen Pop-Songs und nachdenklichen, stillen Momenten, denen die Pet Shop Boys auf diesem Album viel Raum geben. „Please“ startet mit der atmosphärischen, getragenen Stimmung von „Two devided by zero“, dessen sphärische Synthie-Flächen den melancholisch gefärbten, elegischen Grundton den gesamten Albums vorgeben. Das zweite Stück ist ein Schlüsselsong und der wohl bekannteste der Pet Shop Boys überhaupt: Der Überhit „West end girls“, den Tennant bereits 1984 schrieb. Der eingängige, hypnotische Song brachte Tenannt und Lowe den weltweiten Durchbruch und wurde sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der britischen Heimat der Beiden ein Nummer-Eins-Hit. Auch die übrigen Singles entwickelten sich zu respektablen Hits, darunter das aggressive „Opportunities“ und das temporeiche, mit einem schwerelosen Refrain ausgestattete „Suburbia“, das von der Gewalt in den Vororten von Los Angeles handelt und bis heute zu den Lieblingssongs der deutschen Fans zählt.

Ein Highlight von „Please“ ist zweifelsfrei die Ballade „Love comes quickly“, die ebenfalls als Single ausgekoppelt wurde. Der Song zählt zu den schönsten und ergreifendsten der langsamen Stücke im Gesamtwerk der Pet Shop Boys. Inhaltlich geht es in „Love comes quickly“ um den Kampf gegen ungewollte und unerwünschte starke Gefühle, wie die Liebe und die Verliebtheit, der aussichtslos scheint. „Love comes quickly, whatever you do. You can't stop falling“, singt Tennant hier. Zudem sticht das bedrückende „Violence“ heraus, das in Sachen wehmütiger Stimmung und Atmosphäre an „Love comes quickly“ anknüpft. Insgesamt musikalisch einfacher und weniger komplex gehalten als spätere Alben wie etwa „Behaviour“ (1990) oder „Very“ (1993), nehmen auch die Lyrics eine zentrale Stellung ein. Thematisch reicht die Bandbreite von Vorstadttristesse („Suburbia“), schnellem Sex („I want a lover“) und häuslicher Gewalt („Violence“) bis hin zu Konsum- und Kapitalismuskritik („Opportunities“). Einzig die Titel „Later tonight“ und „Why don’t we live together“ fallen qualitativ im Gegensatz zu den restlichen Songs ein wenig ab. „Later tonight“ ist eine zu harmlos vor sich hin schmachtende Schlafzimmer-Ballade, „Why don’t we live together“ ist kein Totalausfall, versucht aber mit Falsett-Stimme und dem Schwerpunkt auf Beat und Groove zu verkrampft, die Disco-Ära wieder aufleben zu lassen.

Alles in allem ist den Pet Shop Boys mit „Please“ ein eingängiges, poppiges und hochklassig produziertes Debüt-Album ohne große Schwächen gelungen, das den Grundstein für eine der beständigsten Karrieren im Pop legte.

Anspieltipps:

  • Suburbia
  • Opportunities
  • West end girls

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