Borknagar - Urd - Cover
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Borknagar Urd


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 53 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Epische Longtracks paaren sich mit Pink-Floyd-Progressivität, Deep-Purple-Keyboards, kalten Black-Metal-Riffs und einem genialen Gesangstrio (ICS Vortex, Lazare, Vintersorg). „Urd“ ist ein Erlebnis!

Ein Meisterwerk kann man nicht herausfordern oder planen. Meistens ist einfach viel mehr mit im Spiel als nur Vision und bedingungslose Hingabe für ein subjektiv gesehen grandioses Konzept bzw. eine Komposition. Øystein G. Brun, seines Zeichens Gitarrist und Mastermind der progressiven Black Metal-Formation Borknagar, schert sich darum herzlich wenig und will mit dem neunten Longplayer „Urd“ das Opus Magnum seiner Karriere abliefern („Für mich geht es darum, es zu wagen, die Dinge ein bisschen weiter zu treiben, als es die Leute erwarten – ohne sich selbst dabei zu verlieren. Es fühlt sich wie das perfekte Album zur perfekten Zeit an.“). Mit dem zurückgekehrten Sänger ICS Vortex (Ex-Dimmu Borgir), sowie Vintersorg (Gesang), Lars Are „Lazare“ Nedland (Gesang, Keyboard), Jens F. Ryland (Gitarre) und David Kinkade (Schlagzeug, Perkussion, mittlerweile von Baard Kolstad abgelöst) als geschlossene Einheit soll dieses Unterfangen bewerkstelligt und unverfälscht an den Hörer weitergegeben werden.

Stilistisch sind Borknagar ja schon eine geraume Zeit nicht mehr einzuordnen und so entzieht sich „Urd“ („Urd“ ist eine der Nornen, die laut nordischer Mythologie unter Yggdrasil steht und den Lebensfaden der Menschheit spinnt. „Urd“ verkörpert die Vergangenheit, während „Verdande“ die Gegenwart und „Skuld“ die Zukunft repräsentiert. Man könnte wohl sagen, dass das ein altertümlicher Ausdruck dessen ist, was wir heute als DNA kennen.“) ebenfalls gekonnt einer genauen Definition und bietet zwischen rohem Black Metal und 70er Jahre Progrock alles an, was in den Klangkosmos der Norweger passt. Dies führt neben obligatorischen Streichermotiven und Orchesterpassagen auch zu „symphonischen, Deep Purple geschwängerten Keyboards, epischen Gesangsharmonien und einem Wah-Wah Gitarrensolo“. Den größten Einfluss bilden allerdings Pink Floyd, die besonders in den warmen, versöhnlichen Klängen ihre Duftmarke versprüht haben. „Urd“ nach zwei, drei Durchgängen in seiner Gesamtheit zu erfassen, ist demzufolge Wunschdenken.

Kalte Black Metal-Riffs treffen auf bitteren Weltschmerz („Epochalypse“), sanftmütige Prog-Melodien bilden eine schützende Hülle vor dem hereinbrechenden Fimbulwinter („The beauty of dead cities“, „Frostrite“), episch ausladende Longtracks beschenken sich mit einem Gänsehautfinale („The earthling“) oder galoppieren in hymnisch-melodischer Ausrichtung durch die eisige Tundra („The winter eclipse“), während wehmütige Instrumentals die Seele streicheln („Plains of memories“) und eine Hammond Orgel den Kontrast zu rauen Vocals auf einer rasanten, schwarzmetallisch gefärbten Achterbahnfahrt sucht („Mount regency“). Mit Ausnahme von „In a deeper world“ und „Roots“, die ihren meisterhaften Brüdern und Schwestern in punkto packender Dramaturgie etwas hinterher hinken, verbinden Borknagar diesen stilistischen Mix aus Prog und Black Metal stets vorsichtig und nie unbedacht, fast so als hätte Brun nicht von Produzent Jens Bogren (Opeth, Katatonia, Amon Amarth), sondern von Alan Averill (Primordial) ein paar Tipps bekommen um in den majestätischen Klangteppichen nicht den Überblick zu verlieren.

So kommt es dann doch ein wenig anders, als man denkt und „Urd“ kristallisiert sich auf Wunsch von Brun als eines der besten, wenn nicht sogar als das beste Album in der Geschichte von Borknagar heraus. Von der ersten Minute an fesselt die wunderschöne, facettenreiche Atmosphäre und man erfreut sich an vielfältigen, wenn auch eingängigen Kompositionen, die fernab jeglicher Trends und Strömungen liegen und ein Gefühl von Originalität und Weitsicht besitzen, das nur wahrhaftige Klassiker mit sich führen. Ob diese Meinung auch in den Kanon der Fans übertragen wird, dürfte die Zeit zeigen, bis dahin lassen wir ein weiteres Mal den Pressetext zu „Urd“ sprechen: „Borknagar als Black Metal zu bezeichnen, ist keine angemessene, ausreichende Definition mehr.“ Fürwahr, Borknagar sind mit ihrer aktuellen Platte ein Erlebnis!

Anspieltipps:

  • Frostrite
  • The Earthling
  • The Winter Eclipse
  • The Plains Of Memories
  • The Beauty Of Dead Cities

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