Flying Colors - Flying Colors - Cover
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Flying Colors Flying Colors


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Von dem erhofften Meisterwerk, für das Musiker aus hochkarätigen Bands wie Dream Theater, Spock´s Beard oder Deep Purple verantwortlich sind, ist nur Asche übrig.

Letzte Woche noch als Hardrocker bei Adrenaline Mob leicht unterfordert, diese Woche wieder in seligen Progressive Rock-Gefilden unterwegs: Mike Portnoy (Schlagzeug, Ex-Dream Theater, Transatlantic)! Supergroups sind eben schon was Feines! Dumm nur, dass der Besetzungsoverkill gemeinsam mit Steve Morse (Gitarre, Deep Purple, Dixie Dregs), Dave LaRue (Bass, Steve Morse Band), Neal Morse (Keyboard, Transatlantic, Ex-Spock´s Beard) und dem eher unbekannten Casey McPherson (Gesang), der mit seiner eigenen Band Alpha Rev und dem Album „New Morning“ (04/2010) vor zwei Jahren immerhin die Billboard Charts aus den Top 5 gesehen hat, bei Flying Colors nicht zu dem erhofften, monumentalen Meisterwerk geführt hat, das man zumindest ansatzweise hätte erwarten können.

Bei einer Entstehungszeit von neun Tagen („Es war schon ein Erlebnis – die Band arbeitete so schnell, ständig flogen Ideen durch den Raum. Teile von Songs wurden arrangiert, dann neu arrangiert, Ideen wurden in alle Richtungen ausprobiert, bis sie für uns alle „funktionierten“ oder, in einigen Fällen, doch ganz verworfen wurden. Allein hier nicht den Faden zu verlieren war eine Herausforderung!”), ist es aber auch kein Wunder, dass das Feintuning keinen großen Stellenwert in den Kompositionen von Flying Colors eingenommen hat bzw. einnehmen konnte, sondern sich einzig und allein auf die musikalischen Fertigkeiten der beteiligten Individuen verlassen wurde. Am Schluss ist ein kunterbunter Cocktail entstanden, der die Prämisse, „klassische Kunstfertigkeit mit zeitgenössischer Musik“ zu verbinden, viel zu ernst nimmt und eigene Ideen mit einem saftigen Tritt aus dem Studio verbannt hat.

Abgesehen vom überlangen Albumender „Infinite fire“, der zumindest ansatzweise einen Hauch von Prog versprüht, beschränken sich die restlichen Stücke nämlich vornehmlich darauf, rezente oder nicht mehr ganz aktuelle Rockbands zu imitieren und deren Sound einen klassischen Farbtupfer mitzugeben. Daraus entstehen dann seichte Schunkelpopnummern der Marke Coldplay und Keane („The storm“, „Everything changes“), The Beatles machen die obligatorische Runde durchs Studio („Love is what I´m waiting for“), Matthew Bellamy bittet mit Muse um Einlass („Shoulda coulda woulda“, „All falls down“), Marillion stehen Pate für kuschelige Liebesbezeugungen („Kayla“) oder Toto und Saga streiten sich darum, wer den größeren Einfluss auf „Blue ocean“ hatte. Dazwischen gibt es hart rockenden Durchschnitt („Forever in a daze“), sowie pathetische Balladen („Better than walking away“) und relaxte Popsongs („Fool in my heart“) für das US-Radio.

Bei „Flying Colors“ von einer Enttäuschung zu reden, wäre dementsprechend eine handfeste Untertreibung. Wieso hat es diese phänomenale Besetzung nicht geschafft mehr auf die Beine zu stellen als größtenteils dünnen Radiosound mit leichtem Prog-Charakter? Persönliche Probleme? Zu wenig Zeit? Unwillen? Aber wieso dann überhaupt eine Band gründen, wenn keine vernünftige Basis vorhanden sind? Diese oder andere Fragen, die einem während des zugegeben locker-leichten Hördurchgangs durch den Kopf schießen, wird man wohl nie beantwortet bekommen. Wahrscheinlich ist es ohnehin besser diese progressiv anmutende Pop/Rock-Scheibe schlicht und ergreifend mit dem Mantel des Schweigens zu strafen!

Anspieltipps:

  • Kayla
  • Blue Ocean
  • Infinite Fire

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