Lost In The Trees - A Church That Fits Our Needs - Cover
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Lost In The Trees A Church That Fits Our Needs


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Interessant, geradezu spannend ist diese Reise in den Abgrund allemal. Allerdings auch harte Kost für jene, die sich emotional auf ein solches Album einlassen.

„Strangeland“ von Keane erscheint in knapp zwei Monaten und informiert man sich vorher nicht, könnte man Lost In The Trees für das Nebenprojekt des Sängers Tom Chaplin halten. Ari Picker, Mastermind der experimentellen Indie-Band, klingt auf vielen Tonhöhen wie sein britisches Pendant, mischt seinen Gesang jedoch mit weitaus komplexeren Arrangments. Diese Komplexität führte aber schon auf vorigen Werken der Greppe dazu, dass die Musik ohne rechte Struktur und Zusammenhang in emotional aufgeladene Alben führt.

Abgesehen vom gewollt mysteriösen Opener „Moment One“, der sich im erstaunlich poppig geratenen „Neither Here Nor There“ auflöst, beginnt das Album überraschend leicht. Leicht im Sinne der Zugänglichkeit der Musik. Natürlich gibt es viel Akustik und Melodieumschwünge, wie im sich im Stil anpassenden „Red“. Hinter dem Gerüst aus Chören, wilden Rhythmen und Sopran-Gesang offenbaren sich allerdings Perlen, die nicht nur abgedrehten Pop-Fans gefallen könnte. Den nötigen Hang zur Melancholie muss man zwar mitbringen, doch dann zeigt sich ein klasse Auftakt.

Danach findet ein Bruch statt, der die Traurigkeit, die so wunderschön angedeutet wurde, in den Mittelpunkt stellt. „Golden Eyelids“ und besonders die Herz zerreißende Streicher-Ballade „Icy Rivers“ drücken auf die Tränendrüse. Hier wird man nur schwer eine andere Bewegung als den Griff zum Taschentuch vollführen können. Von den Soundwelten Keanes schweifen Lost In The Trees plötzlich in Richtung Radiohead ab. Keine Hooklines, nur treibende Trauer. Ein „Tall Ceilings“ imitiert in seiner Melodie zwar Optimismus, kann aber gegen erdrückende Streicher-Parts nicht mehr tun, als die Gemütslage des Hörers zu verwirren.

Interessant, geradezu spannend ist diese Reise in den Abgrund allemal. Allerdings auch harte Kost für jene, die sich emotional auf ein solches Album einlassen. Zwei Mal rafft sich Picker mit seiner Band noch auf, den Hörer nicht ganz im Tal der Tränen versinken zu lassen. So lassen „Garden“ und die hymnische Nummer „An Artist's Song“ so etwas Ähnliches wie Hoffnung aufkeimen. Auch der Abschluss „Vines“ ist nicht unbedingt ein von Traurigkeit, sondern viel eher Schönheit geprägter Abschluss voller Ruhe, der darüber nachdenken lässt, wie man die Dunkelheit der vergangenen Dreiviertelstunde seelisch verarbeiten möchte. „A Church That Fits Our Needs“ ist nahezu vollkommene Schönheit, die jedoch schwer verdaulich und sperrig ist und nicht jeden Hörer genießen lassen wird.

Anspieltipps:

  • Red
  • Tall Ceilings
  • Vines

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