Exilia - Decode - Cover
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Exilia Decode


  • Label: Golden Core/ZYX
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

So ehrlich und modern klingt Metal/Hardrock mit dunklen Untertönen heute nur selten.

Italien ist für vieles bekannt. Das gute Essen, den Papst, Fußball über den die Deutschen gerne lästern, aber Rockbands fallen nicht darunter. Denkt man an Musik aus Bella Italia fallen einem Namen wie Luciano Pavarotti und Eros Ramazzotti ein, doch gewiss keine Anwärter für die sommerlichen Rock-Festivals Europa. Eine der Ausnahmeerscheinungen sind Exilia, die mit ihrem bereits fünften Album „Decode“ an die Rockweisheiten des letzten Jahrzehnts erinnern.

Sei es die raue Stimme Mashas, die als Sängerin ebenso eindrucksvoll grölt wie einst Sandra Nasic für die Guano Apes und die schlichten, jedoch harten Riffs und Melodien, die an Evanescence ohne den Pathos erinnern. Exilia liefern Rock ohne nachzudenken. „Und das ist auch gut so“, möchte man einen Berliner Politiker zitieren, denn Masha konzentriert sich mit ihren Männern auf ihre Königsdisziplin. Hier zieht jeder Track einem wieder von neuem die Schuhe aus. Ob der Opener „Satellite“ oder das heftig rockende „Unconventional“: Exilia lassen dem geneigten Hörer keine Wahl, als bei jedem neuen Song erneut mit dem Kopf zu wackeln.

Besonders die Emotionalität ohne Peinlichkeiten sind der Band hoch anzurechnen. Höhepunkte sind in dieser Hinsicht das Radio taugliche „Emily“ und „Invisible“, die beide zum Träumen einladen, ohne vom Gas zu gehen. Wem der Sinn auch nach ruhigerer Ohrenkost ist, der wird mit „My Exception“ verwöhnt. Der Schlusstrack „In My Veins“ hingegen ist als Piano-Ballade neben der Spur und entsagt dem Grundton des Albums. Romantiker werden sich trotzdem an diesen Song klammern. Zumindest ist das kein Minuspunkt für das insgesamt starke Textgut Mashas.

In der zweiten Hälfte verliert das Album auch wegen seiner Eingängigkeit an Zug und viele Lieder hauen den Hörer nicht mehr so von den Socken wie zu Beginn. Die Musik nimmt sich jetzt mehr Atempausen und die meisten Tracks offenbaren lange, psychedelisch anmutende Momente, die den Flow des Auftakts stören. Trotzdem stemmen die Songs weiterhin das Gewicht des Albums mit Bravour und sind keinesfalls Enttäuschungen. Sie sind gesundes Mittelmaß, das gerade auf Festivals die Mengen verzücken wird. So ehrlich und modern klingt Hardrock mit dunklen Untertönen heute nur selten, da die meisten Bands noch in den 90ern fest stecken. Ausgerechnet eine Band aus Italien bricht mit dieser fragwürdigen Tradition. Va bene!

Anspieltipps:

  • Satellite
  • Unconventional
  • Invisible

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