Simone Felice - Simone Felice - Cover
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Simone Felice Simone Felice


  • Label: V2 Records/SOULFOOD
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Simone Felice geht nach Dekaden des Musikerdaseins seinen eigenen Weg – mit Erfolg!

Noch keine 40 Jahre auf Erden gewandelt und doch hat Simone Felice als Songwriter, Sänger und Schlagzeuger der Felice Brothers, als Frontmann von The Duke & The King, einer Herz-OP vor zwei Jahren und jetzt mit seinem Solo-Debüt als Musiker und Autor (mit dem Roman „Black Jesus“) einiges erlebt. Man möchte nahezu auf den Herren aus Bethlehem verweisen, aber die Kirche bleibt bekanntermaßen besser im Dorf. Felice selbst sah einfach die Zeit dafür, endlich seine eigenen, intimen Songgedanken ans Licht der Welt zu bringen. Da geht es natürlich um Liebe, Schmerz, Politik und natürlich Gott und die Welt.

So ein persönliches Album kann in einer Mode von Adeles Schmerzbewältigung über Musik nur punkten. Wer schon jetzt eine PR-Rauchbombe vermutet, die schlechte Musik verwischen soll, der kann beruhigt aufatmen. Was Simone Felice auf seinem selbst betitelten Album anbietet, lehnt man als Folk- und Gospel-Fan nicht ab. Das Auftaktquartett gehört zu den ganz starken Momenten amerikanischer Songwriter-Kunst. Von der aufmunternden Gospel-Hymne „You & I Belong“ darf man sich dabei nicht blenden lassen. So leichtfüßig und lebensbejahend diese Nummer ist, so schwer ist die anderweitige Kost, die der Mann aus New York abliefert.

Songs wie „New York Times“ und „Courtney Love“ sind diese eindringlichen Momente, die Hörern Gänsehaut verpassen. Wenn Felice erst hauchend und später laut klagend darauf verweist, was für Nachrichten es warum auf die Titelblätter großer Zeitungen bringen und sich schonungslos, aber nicht richtend mit „Courtney Love“ und ihrer Drogenabhängigkeit auseinandersetzt, dann kann man nicht anders als mitfühlen und nachdenken. Ob Felices eigener Kampf mit dem Tod ihn erst dazu gebracht hat, so auf die Dinge zu sehen, ist nebensächlich. Genau solche Texte braucht die moderne Musikindustrie, die aufgeschlossen und global eines der lautesten Instrumente herankommender Generationen sind.

Nach diesem intensiven Einstieg wird es persönlicher und die Vergangenheit des Sängers wird mit Freundschaft, Liebe, Drogen, Alkohol nachdenklich in der Retrospektive betrachtet. Hier geht die Transparenz der Texte natürlich verloren, aber immer noch schafft es Simone einem Ray LaMontagne gleich die Gefühle aufzuzwingen. Sei es das schwelgende „Dawn Brandy's Son“ oder doch das schaurige B-Movie-Hörspiel um Vampire „Sharon Tate“: die Emotionen treffen und sitzen. Es ist zum Abschluss schwierig zu sagen, ob man sich besser fühlt, wenn man Felices Debüt gehört hat. Die Gedanken rasen nicht, sondern haben Zeit sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Das fordert, macht aber auch unheimlich viel Freude und paart sich außerdem mit gelungenen Melodien. Viel mehr kann der Hörer von einem Debüt nicht verlangen.

Anspieltipps:

  • New York Times
  • You & I Belong
  • Courtney Love

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