Norah Jones - Little Broken Hearts - Cover
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Norah Jones Little Broken Hearts


  • Label: Blue Note/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
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10 1 8/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Zeiten von Diamant-Auszeichnungen und achtstelligen Albumverkäufen sind zwar vorbei, die rehäugige Sängerin bleibt sich auf „Little Broken Hearts“ trotzdem treu.

Norah Jones schnappt sich Produzent Danger Mouse alias Brian Burton (Gnarls Barkley, Beck, The Black Keys), posiert auf dem Cover als dunkelhaarige Clara Belle aus dem Russ Meyer Tittenstreifen „Mudhoney“, nennt ihre neueste Platte „Little Broken Hearts“ und singt in der ersten Singleauskoppelung aus ihrem fünften Studioalbum feuchtfröhlich über „Happy pills“? Anscheinend dürfte so mancher Trennungsschmerz bei der indischstämmigen Amerikanerin noch nicht abgeklungen sein, sonst würde Miss Jones wohl nicht so offensichtlich mit optischen wie auch musikalischen Reizen spielen.

„Ich war mit dieser Art von Songtexten seit einiger Zeit durch. Aber dann kam während der Arbeit auf einmal alles heraus. Wir (Produzent Burton und Jones, Anm. d. Red.) hatten diese tollen Gespräche über Liebe, Beziehungen und die endlosen Versuche, das alles zu verstehen, und irgendwie hat sich das in unsere Arbeit eingeschlichen. Das ist eine der großartigen Dinge an Musik, man kann seine eigene Wut und den Kummer in etwas verwandeln, das jemand anderen vielleicht aufbaut.” erklärt die 33jährige ihre Rückkehr zum Thema Nummer 1.

Entgegen der landläufigen Meinung, Songs über Liebe müssten immer in balladesker Form mit viel Pathos und Herzschmerz ihre Aufwartung machen, legt „Little Broken Hearts“ zwölf gelungene Pendants zu all den Kommerzradioschnulzen vor und wenn wir ehrlich sind, hätten wir von Miss Jones auch nichts anderes erwartet. Der mit sanftem Western-Einschlag versehene Track „4 broken hearts“ schmiegt sich zwar an die Everly Brothers an und Norah blickt hin und wieder besonders betroffen auf den Boden („All a dream“), doch die Wahl der musikalischen Mittel driftet nie ins Triviale oder Lächerliche ab, sondern weitet die Farbpalette des Jones-Kosmos sinnvoll aus.

„Say goodbye“ und „Happy pills“ sind gar auffallend stark instrumentiert und tragen eindeutig die Handschrift von Danger Mouse, allerdings dürfte die ungezwungene Stimmung im Studio („Es fühlte sich locker an, so gar nicht nach Arbeit. Wir fingen einfach an und hatten sofort Ideen für fünf Songs. Wir wollten das unbedingt ausprobieren. Hätte es nicht geklappt, wäre es auch völlig in Ordnung gewesen. Kein Stress.“), sowie die Verteilung der Arbeit am Album auf ausschließlich Jones und Burton („Viele der Aufnahmen stammen wirklich nur von den beiden Künstlern, moderne Technik dank Multitracking macht es möglich.“) zu diesen unerwartet bunten Ausreißern geführt haben.

Die restlichen Stücke pendeln hingegen zwischen kleinen Finger- und Stimmübungen („After the fall“, „Out on the road“), breiten sich andächtig aus und schwellen anschließend ausdrucksstark an („Take it back“), generieren eine todtraurige Gänsehautatmosphäre („Miriam“) oder sind mit einer minimalistischen Herangehensweise aus Akustikgitarre und Streicherklängen einfach zum Weinen schön („Travelin´ on“). Parallelen zu den Anfangstagen gibt es übrigens mit dem verhuschten „She´s 22“ oder dem eröffnenden, verträumt schlendernden „Good morning“. Einziger kleiner Wermutstropfen ist, dass man aufgrund der Produktion von Danger Mouse hin und wieder das Gefühl bekommt einer gedrosselteren Variante der Black Keys zu lauschen, doch wenigstens weiß man sofort, sobald Norah ihre bittersüße Stimme erhebt, dass es sich nicht um schroffen Blues Rock, sondern um kammermusikartige Juwele handelt.

Was bleibt also noch anderes zu sagen, als dass „Little Broken Hearts“ erneut ein Volltreffer geworden ist und die Mischung aus Folk, Jazz, Country, Pop, Singer/Songwriter und ein paar kleineren, elektronischen Beigaben wie aus einem Guß ist, keineswegs altbacken oder uninspiriert ihre Kreise zieht und sich die zeitlosen Kompositionen somit wie schon bei den Alben davor zielstrebig ihren Weg in das Langzeitgedächtnis bahnen.

Anspieltipps:

  • Miriam
  • She´s 22
  • Happy Pills
  • Travelin´ On
  • Take It Back

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