Anathema - Weather Systems - Cover
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Anathema Weather Systems


  • Label: KScope/EDEL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8/10 Unsere Wertung
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Leben ist wie ein Karussell sagen die einen, das Leben ist wie das Wetter sagen Anathema.

Die viele Jahre dauernde Metamorphose der englischen Band Anathema dürfte abgeschlossen sein. Die Band hat ihr neues Ich gefunden. Der Vorgänger „We’re Here Because We’re Here“ war ein Neuanfang und gleichzeitig ein Meilenstein für die Band. Dieser große Schritt vorwärts in eine neue Richtung wurde durch eine Verschiebung der musikalischen Schwerpunkte erreicht, ganz besonders der Schwenk vom Pessimismus zum Optimismus, von Dunkelheit zu Licht, von Bedrücktheit zur Zuversicht.

„Weather Sytems“ ist wie eine ruhige Schwester von „We’re Here Because We’re Here“. Die Verwandtschaft der Kompositionen ist klar zu erkennen. Gleichzeitig führt das neue Album aber die Wandlung fort und ist dabei noch konsequenter, denn wo der Vorgänger sich zwischen Prog-Rock und Art-Pop nicht recht entscheiden wollte, ist das neue Album noch ein Stück ruhiger, gefühlvoller und durch viele sanfte Melodien auch poppiger. Die vielen orchestralen Momente in Form von Streichern unterstreichen dies. Im Umkehrschluss bedeutet das auch weniger Kanten und Ecken. Die Stücke enthalten immer noch genug Dynamik, aber sind etwas gedämpfter in ihrer Entwicklungsform und enthalten nicht mehr so viele Emotionsregungen.

Los geht es mit dem zweiteiligen „Untouchable“, von denen besonders der zweite Teil durch ein schönes Gesangsduett zwischen Lee Douglas und Vincent Cavanagh besticht. Danach folgt der eigentliche Anfang des Albums mit „The Gathering Of The Clouds“, das mit Donnergrollen beginnt und später mit Streichern untermalt wird. Wieso die Band „Untouchable“ davor gesetzt hat ist nicht wirklich ersichtlich, denn so wirkt es lediglich wie ein Übergangssong. Als nächstes im Programm folgt der „Lightning Song“, in dem Lee alleine den Gesang übernimmt und das sehr abrupt durch einen coolen Übergang zur verzerrten E-Gitarre einen Gang höher schaltet. Diese verzerrte Gitarre ist etwas, dass nur noch sehr selten in der Musik zu hören ist, es dominieren Akustik- und cleane E-Gitarren. Der einzige Song, der nicht so ganz zum Rest passen möchte, ist „The Storm Before The Calm“. Ein interessantes zweigeteiltes Stück, das sehr düster beginnt und mit vielen Elektonikelementen versehen ist, bevor es die schöne „Ruhe nach dem Sturm“-Seite entblößt.

Mit „The Beginning And The End“ haben Anathema einen ihrer besten Songs geschrieben. Es fängt mit einem wiederkehrenden einprägsamen Motiv an und nimmt immer mehr Temperament auf. Spätestens wenn die Stimme von Vincent an Intensität gewinnt und er mit Wut im Bauch die Worte „The silence is raging!“ singt, breitet sich einem die Gänsehaut vom Rücken bis zu den Gliedmaßen aus. Wer diese tiefgründigen Emotionen nicht verspürt ist wahrscheinlich schon Tod. Dann folgt zur Krönung ein schönes langsames Gitarrensolo und der Song ist irgendwie viel zu schnell zu Ende. Genau wie das ganze Album, das durch seine berührende Emotionalität eine wunderbare Wirkung entfaltet und die Zeit vergessen lässt.

Das Leben ist wie ein Karussell sagen die einen, das Leben ist wie das Wetter sagen Anathema, mal ist es sonnig, mal ist es grau und regnerisch und manchmal ist es sogar stürmisch. Wenn man Pech hat ist es sogar wie englisches Wetter und dann muss ein ständiges Auf und Ab ertragen werden. Anathemas Musik spiegelt genau dies wider, ein Auf und Ab der Gefühle. Sie schaffen es Themen der Traurigkeit und des Verlusts so sanft und gefühlvoll zu umschreiben, mit einem Blick voller Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft schauend. Sie könnten einem glatt die Angst vor dem Tod nehmen.

Anspieltipps:

  • The Beginning And The End
  • Lightning Song
  • Untouchable, Part 2
  • The Storm Before The Calm

Dieser Artikel ging am um 13:06 Uhr online.
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