Gemma Ray - Island Fire - Cover
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Gemma Ray Island Fire


  • Label: Bronzerat Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemma Ray sagt der Schwarzweißwelt der Popmusik ade und zaubert Farbe in die vielen Grauschichten des Retro.

Es ist schwierig im Grau des Alltags durchzublicken. Deswegen macht es einen so glücklich, wenn Hollywood und all die Celebrities weltweit uns eine schwarzweiße Welt vorgaukeln. So ist die seit 2008 im Business angekommene Gemma Ray ein wunderbar düsterer Gegenentwurf zum Sonnenschein Kate Nash. Wenn Nash über Trennungsschmerz singt, möchte man trotzdem tanzen, wogegen man bei Ray selten durchblickt, worum es eigentlich geht. Trotzdem ist da immer dieser Schauer, den ihr Retro-Rock im Singer/Songwriter-Gewand verursacht und mit dem sie die Kritiker stets auf ihre Seite zog. Bei weitem nicht so bekannt wie Adele, entschließt sich jetzt auch Gemma Ray zum Imagewechsel und macht einen großen Schritt Richtung Zugänglichkeit.

Unter all den großen Damen, die Großbritannien die letzten Jahre hervorgezaubert hat, will sich ausgerechnet Gemma Ray aus ihrem Kokon befreien und will die angedeutete Lebensfreude auf dem extrovertierten „Lights Out Zoltar!“ auf „Island Fire“ endgültig befreien. Passender könnte ein Einstieg also gar nicht sein als „Alight! Alive!“, welches aufbegehrend mit Chören, hohen Streichern und Tasteninstrumenten eine Hymne an die Hoffnung ist. Selbst die wie üblich zweckentfremdete Gitarre mit Ufo-Sounds klingt aufmunternd. Wenn dann auch noch Bläser bei diesem Opening losgelassen werden, ist man sich sicher, dass Gemma Ray die nächste Stufe erreicht hat.

Der zurückhaltende Grusel ist wie weggefegt und plötzlich macht Ray auch Rockabilly-Prinzessin Imelda May Konkurrenz. Viel treffender kann eine 60er-Schnulze gar nicht klingen, als „Put Your Brain In Gear“ und auch ein verspäteter James-Bond-Musical-Song präsentiert sich in Form von „Runaway“. Nach drei Songs lebt das Album schon in einer so ausgelassenen Art, wie es die vorigen beiden Alben (vom Cover-Album nehmen wir einmal Abstand) zusammen nicht vermocht haben.

Gerade wenn Fans der ersten Stunde – heute wahrscheinlich als Hipster geschimpft – sich wundern, was aus ihrer Retro-Singer/Songwriterin geworden ist, der Bela B. jederzeit den Hof machen würde, ertönt „Troup De Loup“. Eine elegante Nummer, die im Geist des Mariachi über Streicher und Ohrwurmmelodie auf die majestätischen Bläser zusteuert. Stilsicher und -übergreifend erschafft Gemma Ray ihre Klangwelten, die auch immer noch schaurig schön psychedelisch klingen können.

Leider ist aber auch nicht Album Nummer drei frei von Schwächen und wem auffällt, dass die psychedelischen Nummern nicht mehr so eindringlich sind, der ahnt die Schwierigkeiten von „Island Fire“ schon voraus. Solange die verrückten Nummern wie „Troup De Loup“ und das eingängige „Fire House“ mit einer hervorragenden Melodie und großartiger Struktur überzeugen, kann man den Liedern nichts ankreiden. Sobald Ray jedoch zum Minimalismus greift, wirken die Stücke nicht mehr so intensiv, wie noch zu ihrer introvertierten, verschrobenen Zeit. So gibt es für Ray-Verhältnisse geradezu einen Aussetzer zur Mitte des Albums mit dem Trio beginnend mit „A Flood And A Fire“. Unspektakulär und ohne nennenswerte Tiefe gehen diese Lieder verloren und Gemmas Angst von Einst, dass ihren Liedern etwas abhandenkommen könnte, wenn sie zu glücklich ist, wird teilweise wahr.

Dank mehr tollen Melodien („They All Wanted A Slice“ und „Bring Ring Ring Yeah“), die das psychedelische Element ganz neu zu verwerten wissen und mehr Mariachi in „I Can See You“ ist man sich jedoch sicher, dass „Island Fire“ ein Schritt in die richtige Richtung ist. Spätestens mit dem (eigentlichen) Schlussakkord des Albums namens „Here Comes The Light“ endet ein Zirkus, der weiterhin in der Schwarzweißwelt Rays agiert, sich aber in unendlich vielen Grautönen ergießt, die unweigerlich Farben sind. Eben diese Musikvielfalt zeigt sich im unverschämt altmodischen Pop, den Gemma Ray dann noch zusammen mit The Sparks aufzieht. Die Bonustracks sind die Farbexplosion, die sich schon auf dem Album gezeigt hat. Ray geht den Schritt aus den 60ern in die 80er und macht dabei eine unverschämt gute Figur. Wie der Verwandte aus der Adams Family, der sich zu Mikas Pop-Familientreffen blicken lässt.

Anspieltipps:

  • Fire House
  • Bring Ring Ring Yeah
  • They All Wanted A Slice

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