Silje Nergaard - Unclouded - Cover
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Silje Nergaard Unclouded


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Rückkehr zu den Wurzeln der Musik geht gründlich daneben und ist ein an manchen Momenten einschläferndes Erlebnis auf hohem Niveau.

Wenn man sich nicht mehr neu erfinden kann, dann geht man zurück zur Basis. So kündigten auch Coldplay zunächst an, dass das jetzt so flippige „Mylo Xyloto“ auf Reduktion und Akustik setzen sollte. Silje Nergaard nimmt sich das allerdings nicht nur vor, sondern zieht es knallhart durch. Ihre Stimme ist der Star und muss 50 Minuten tragen, die so minimalistisch sind, dass „Unclouded“ besser nicht bei herunter gelassenen Rollläden und einer Flasche Rotwein gehört wird.

Die Grenzgängerin von einst nimmt sich ihre große Stärke mit der Reduktion und deutet neue Stile nur noch an. Der Jazz im Opener „All I Had“, sowie die World-Music im norwegisch-folkloristischen „Norwegian Boatsongs“ sind präsent, aber nicht richtungsweisend. Es ist Nergaards Stimme, die das Zentrum einnimmt und so die (kaum vorhandenen) Melodien obsolet werden lässt. So ist die Musik in Verbindung mit der klaren Stimme der Sängerin äußerst beruhigend, aber der Unterhaltungswert bleibt auch der Strecke. „God's Mistakes“ und „The Moon's A Harsh Mistress“ präsentieren als erste Balladen des Albums, die kaum mehr als ein paar Gitarrenakkorde mitliefern, dass die Musik es nicht versteht zu berühren. Nett, beruhigend, aber keinesfalls traurig, packend und emotional.

Silje Nergaard liefert Lagerfeuermusik für die Frischverliebten, die sich mehr um sich selbst, als um ihr Umfeld kümmern. So verstreicht – sieht man es kritisch – sechsmal der mehr oder weniger gleiche Song, bevor in das Album nochmals Bewegung kommt. Warum es bis „He Must Have Been Telling A Lie“, bis die Norwegerin es schafft, so etwas Ähnliches wie frisches Blut auf „Unclouded“ zu bringen, ist ein Rätsel. Plötzlich klingt spaßiger Jazz durch mit Scat-Einlagen und einer (etwas) höheren Schlagzahl als die inzwischen ermüdenden, generischen Balladen.

Genau das bekommt man im Anschluss mit „I Will Write You Every Day“. Und wer auch immer eine 90er-Classic-Rock-Gitarre für das The Killers-Cover „Human“ ausgewählt hat, gehört geohrfeigt. Silje Nergaard zeigt dass sie eigentlich kann, doch sie scheint nicht zu wollen. Sie verschenkt ihre volle Stimme für repetitive Stücke ohne Wiedererkennungswert. So geht die Rückkehr zu den Wurzeln der Musik gründlich daneben und ist ein an manchen Momenten einschläferndes Erlebnis auf hohem Niveau.

Anspieltipps:

  • He Must Have Been Telling A Lie
  • The Moon's A Harsh Mistress
  • All I Had

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