Tim McGraw - Emotional Traffic - Cover
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Tim McGraw Emotional Traffic


  • Label: Curb Records/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das elfte Studioalbum des beliebten Country-Sängers versprüht die gewöhnte Leichtigkeit und bietet wichtige Facetten: Eingängige Melodien, markante Stimme und ein kleines Highlight.

Es ist durchaus bekannt, dass Country nicht der Deutschen liebste Musikrichtung ist. Ihr besonderer Ruf und die dazu passenden Vorurteile lassen in unseren Köpfen wunderschön ausgeschmückte Bilder entstehen. Von Männern aus ländlichen Gegenden, die Cowboyhütte tragen und ein durch ihren Dialekt etwas verzerrtes Englisch singen. Sie werden gehört von Männern, die in ihren Lastwägen durch ländliche und verlassene Gegenden fahren und die eingängigen Melodien mitträllern.

Anstatt diese Vorurteile alle abzuwerten, muss gesagt werden: Tim McGraw ist so ein typischer Countrysänger, der sich gerne in Army-Hosen und Cowboyhut blicken lässt, seine Lieder nicht nur mit Dialekt singt, sondern auch so schreibt und zu alledem aus einer kleinen, amerikanischen Gemeinde stammt. Seine Fangemeinde geht jedoch weit über die Lastwagenfahrer hinaus. Zumindest in den USA hat er längst landesweite Popularität ergattert und ist gemeinsam mit seiner Frau Faith Hill permanent in den Medien und den Herzen seiner Landsleute.

„Emotional Traffic“ ist bereits McGraws elftes Studioalbum. Ursprünglich hatte der 44-Jährige das Werk bereits 2010 fertig gestellt, doch es wurde von seinem Plattenlabel zurückgehalten. Es folgte ein Streit, der schließlich zur Trennung zwischen Künstler und Label führte. Als im Herbst des vergangenen Jahres dann endlich klar war, dass das Album veröffentlicht würde, war der Erwartungsdruck entsprechend hoch. Doch Fans konnten aufatmen, als die amerikanische Presse zu Anfang des Jahres entschied, das neue Album als das „bisher beste Werk“ des Künstlers zu loben. Zwei Monate später folgte die Veröffentlichung auf unserem Markt.

Und tatsächlich haben Tim McGraw und sein Team aus Songwritern auch diesmal Erstaunliches geleistet. Auftakt ist das Lied „Halo“, das zwar einen typischen Country-Charme versprüht, mit seinem Tiefgang jedoch eine ganz besondere Atmosphäre schafft und den Beginn des Albums zu einem vollen Erfolg macht. Es folgen weniger spektakuläre, dafür den Regeln des Countrys schon eher entsprechende Lieder, wie das fröhliche „Right Back Atcha Babe“, indem schon die Schreibweise ganz deutlich auf den Stil hinweist. Die erste Single-Auskoppelung hingegen ist eine erstaunlich ruhige Nummer, in der Tim McGraw mit seiner tiefen und angenehmen Stimme erklärt, er sei nun „Better than I used to be“, aber noch immer nicht ganz der Mann, der er mal sein will.

Was diese Art der Lyrics angeht, sind sich fast alle der zwölf Songs ähnlich und da liegt für den Deutschen Hörer vielleicht auch ein bisschen das Problem. Für den amerikanischen Durchschnittsbürger eignet sich diese Musikrichtung besser als jede andere, sich mit den Texten zu identifizieren. Singt McGraw also von einem seiner Lieblingsthemen, nämlich Gott und auf diesem Album von einem „Touchdown Jesus“, wird der deutsche Laie wahrscheinlich die Stirn runzeln, während der Amerikaner ganz aus dem Häuschen ist und die Anspielung auf den Volkssport sofort versteht.

Wer darüber hinwegsehen kann und sich von Melodie und Leichtigkeit eines typischen Country-Albums überzeugen lassen möchte, trifft mit „Emotional Traffic“ die richtige Entscheidung. Transportiert wird gute Mitsing-Musik zum Autofahren und ein Hauch von echtem, amerikanischem Lebensgefühl.

Anspieltipps:

  • Halo
  • Better Than I Used to Be
  • The One That Got Away
  • Felt Good on My Lips

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