Chris Brown - Fortune - Cover
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Chris Brown Fortune


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Bitches“, „Real Niggas“, „Pussys“, „Hoes“, „Pimps“, „Bootys“ und „Dope“. Willkommen im Jahr 1995.

Mit seinem letzten Studioalbum „F.A.M.E.” (03/2011) erreichte Chris Brown (23) erstmalig den Spitzenplatz der US Billboard Charts. Das wurde aber auch Zeit, nachdem der Sänger schon mit seinem 2006er Debüt mit den ganz Großen des R&B-Genres verglichen wurde. Doch die gewalttätige Auseinandersetzung mit seiner damaligen Freundin Rihanna im Vorfeld der Grammy-Party im Februar 2009 führte dazu, dass Browns dritter Longplayer „Graffiti” (12/2009) vom Publikum verschmäht wurde und seine Plattenfirma scheinbar auch nicht so wirklich Lust darauf hatte, Werbung für ihr Problemkind zu machen.

Inzwischen scheint all das vergessen zu sein. Mit „F.A.M.E.” erholte sich Chris Brown wie gesagt wieder und nun soll „Fortune“ den Nummer-Eins-Erfolg untermauern. Auf seinem fünften Studioalbum vertraut er auf Mark Pitts & Team Breezy sowie Tina M. Davis als ausführende Produzenten. Klingt übersichtlich, doch die Ware Produzenten- und Songlieferantenpracht zeigt sich erst im Kleingedruckten des Booklets, das den Verdacht aufwirft, dass offenbar jeder halbwegs angesagte Studiotüftelheini sich in den 14 Tracks austoben durfte.

Diese alle aufzuzählen ersparen wir uns. Wissen wir doch, dass das nur zu einem extra quirligen Allerlei aus HipHop, R&B, Dance und Pop führen kann – frei nach dem Motto „irgendein Treffer wird schon dabei sein“. So setzt sich Chris Brown schon im Opener „Turn up the music“ auf die Fersen des französischen DJs David Guetta (44) und liefert eine Schmierenkomödie in Sachen Auto-Tune-Gesang und pappigen Beats ab.

Die musikalischen Vorbilder Browns sind wirklich grenzwertig. Denn auch in Bezug auf seine Texte irrt der 23-Jährige in schwersten Fremdschämregionen herum. So versucht sich Chris Brown diesmal an besonders schlüpfrigen Machotexten löst und löst damit den guten alten Schwerenöter R. Kelly ab, indem er sich in mindestens jedem zweiten Text spitz wie Lumpi zeigt. Wer mag, kann sich dazu im Internet die selbstgeschossenen Nacktbilder des Rihanna-Ex anschauen, die im Frühjahr 2011 unfreiwillig die Runde machten.

Wir schreiben das 2012 und Chris Brown singt allen Ernstes von „Real Niggas“ und „Bitches“. Dazu lässt er Gastrapper wie Big Sean, Wiz Khalifa und Nas auftreten, die von „Pussys“, „Hoes“, „Pimps“, „Bootys“ und „Dope“ rappen. Als Ausgleich gibt es triefende R&B-Schmachtballaden („Don’t judge me“, „2012“, „Sweet love“) und immer wieder mal den Versuch im Dance-Bereich etwas mit Aussagekraft zu reißen, was aber in Auto-Tune-verseuchten Tracks wie „Trumpet lights“ oder auch „Don’t wake me up“ misslingt.

Spätestens jetzt sollte der Hörer erkannt haben, dass auch „Fortune“ nur eine dieser am Reißbrett entworfenen Songzusammenstellungen darstellt, aus denen sich ein bis zwei „Hits“ herauskristallisieren lassen – und gut ist’s. Damit hat der, ähem, Mohr seine Schuldigkeit getan und der geneigte Albumkäufer ein platzraubendes Stück Plastik mehr im Regal stehen.

Anspieltipps:

  • Mirage
  • Bassline
  • Sweet love
  • Party hard/Cadillac
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