Heidi Happy - Hiding With The Wolves - Cover
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Heidi Happy Hiding With The Wolves


  • Label: Silent Mode/CARGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Heidi Happy macht Musik wie die Schaumkrone einer Welle, die ihre Spuren im Sand hinterlässt, auch wenn das Wasser selbst schon wieder abgeklungen ist.

Wie soll man da bitteschön noch objektiv sein? Heidi Happy ist bildhübsch, kommt aus der Schweiz, nutzt Orchester und Kammermusik für ihren Pop wie sonst nur Sufjan Stevens und kann bereits auf zwei sehr gelungene Alben zurückblicken. Zugegebenermaßen muss man ein Freund der Instrumentalisierung und der Schweiz sein, doch um die Qualität der letzten beiden LPs kommt man nicht herum. So vielseitig, pompös und trotzdem intim präsentieren sich nur weniger Pop-Musiker aus dem deutschsprachigen Raum. „Hiding With The Wolves“ verspricht ein Ziel strebendes Unterfangen im Vergleich zu den Vorgängern. Ob das opulente Orchester-Kleid Fräulein Happy die Luft abschnürt oder ihr zu noch schönerer Blüte verhilft zeigt sich schnell und deutlich.

„My Love Won't Wait For You“ ist eine emotionale Bombe, die sich keine Blöße gibt. Mit orchestraler Eröffnung, später einsetzenden Marsch-Rhythmen und Bläsern ergibt sich eine – wie versprochen – umwerfende Songperle. In den Strophen zart und unberührt, um im richtigen Moment majestätisch zu wirken und sanft wieder abzuklingen. Heidi Happy macht Musik wie die Schaumkrone einer Welle, die ihre Spuren im Sand hinterlässt, auch wenn das Wasser selbst schon wieder abgeklungen ist. Bei so einer Vorlage ist es nahezu unmöglich dieses Niveau zu halten.

An und für sich funktioniert „Feet In A Box“ genau auf dieselbe Weise wie der Opener, aber die ganz große Klasse der Eröffnung wird nicht erreicht. Angenehm schmeicheln sich die natürlichen Akustik-Arrangements an die Ohren und verschmelzen nicht selten (z.B. in „Down At The Port“) mit einer Art amerikanischen Folk zu etwas völlig Neuem. So ist „Down At The Port“ mit seinen Handclaps und einer dezenten orchstralen Unterstützung nicht so ein Brecher wie „My Love Won't Wait For You“, doch immer noch eine hübsche Perle der modernen Pop-Musik.

Die Höhepunkte des Albums sind jedoch die Stücke, die keine Angst vor ganz großer Kulisse haben. So sind die Streicher in „Tempting“ (mitsamt einem Intro von über einer Minute) die famosen Protagonisten von Heidis Pop. In „Stereo“ verzichtet man gleich zwei Minuten auf Gesang und ergötzt sich am vollen Klang des Orchesters. Irritierend wirkt da das Nebenprogramm mit viel Folk und Country. Gleichzeitig ist es schwer so gekonnten Mitsing-Hymnen wie dem Western-Song „Sarah“ und dem traurigen „All I Remember“ zu widerstehen.

Heidi Happy bietet für Freunde der Akustik und des Orchesters alles, was man sich wünschen möchte. Dabei ist ihre Musik aber nicht verstaubt und gehört (nur) in die Klassik-Hallen der Welt. „Hiding With The Wolves“ liefert Singer/Songwriter-Pop-Perlen am laufenden Band, verzichtet auf Aussetzer und schafft es mit einer Vielzahl von Tracks nicht nur zu gefallen, sondern zu verzaubern.

Anspieltipps:

  • My Love Won't Wait For You
  • Tempting
  • Sarah

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