Featuring Yourself - Inner Underground - Cover
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Featuring Yourself Inner Underground


  • Label: 141 Records/New Music Distribution
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Hier verschmelzen drei Generationen Musikgeschichte vordergründig zu einem großen Ganzen und pfeifen auf sämtliche Tellerränder und Grenzen.

Meistens stiften eigens erfundene Genrekreationen mehr Verwirrung, als dass sie Nutzen bringen. Im Falle von Featuring Yourselfs Debütalbum „Inner Underground“ und der daraus entstandenen Schublade „Modern Postpunk“ sieht die Sache allerdings etwas anders aus, ist der entworfene Terminus schließlich ein Hilfsmittel um überhaupt eine Kategorisierung zuzulassen. Würde man nämlich nach den vielfältigen Eindrücken und Vorbildern gehen, die sich auf den Erstling von Kay Petersen (Gesang, Bass, Synthesizer, Perkussion), Matthias Frank (Gesang, Gitarre, Synthesizer, Perkussion) und Timo Köhler (Schlagzeug, Perkussion) eingefunden haben, dann würde wohl eine rattenschwanzartige Bezeichnung namens Indie-Post-Rock-Punk-Retro-Wave-Emo-Pop entstehen, die dann wohl noch verwirrender als der eingangs erwähnte „Modern Postpunk“ ist.

Dabei hat „Inner Underground“ mit Punk eigentlich nicht wirklich viel gemeinsam. Vielmehr verschmelzen hier drei Generationen Musikgeschichte vordergründig zu einem großen Ganzen und pfeifen auf sämtliche Tellerränder und Grenzen: Joy Division spazieren mit The Strokes die Bloc Party-Allee entlang („Amsterdam“, Amnesia“, „Old monitors“), The Cure tanzen zu Franz Ferdinand im Sting & The Police-Club („Radical race“, „Clocked control“, „Hope again“) und Jimmy Eat World schauen kurz bei einem Konzert der Arctic Monkeys vorbei („The press“, „Hurry up“). Wird nun die berechtigte Frage gestellt, inwiefern der Dreier hiermit seine Eigenständigkeit bestätigt, so kann die Antwort überraschenderweise recht einfach gegeben werden. Featuring Yourself mangelt es zwar an einer klaren Linie, eine eigene Duftmarke besitzt dieser Zitatereigen jedoch allemal.

Besonders wenn Kay, Matthias und Timo wie z.B. in „Abyss“ und dem Titeltrack ungefragt eine Rifflawine auf den Hörer lostreten oder kleine Ohrwurmmelodien verteilen („Amsterdam“, „Hope again“), sitzt man wie gebannt vor seinen Lautsprechern und freut sich wie ein Kind zu Weihnachten auf den neuerlichen Druck auf die Repeat-Taste. Ausbaufähig ist allerdings der mitunter recht gelangweilte Gesang und übermäßig elektrifizierte Nummern wie „Never want to go out“, die wohl als Hommage an die New Wave-Zeit gedacht war, unterm Strich aber nicht mehr als klassisch-nerviges Füllmaterial darstellt.

Textlich geht es auf „Inner Underground“ um „Teenageangst, Existenzangst, die Angst vor dem inneren Untergrund, aber auch um Erinnerung, Liebe, Mut und Unmut, Unsicherheit, eben um alles, was den Menschen dazu bewegt etwas zu beginnen, wieder aufzugeben, neu anzufangen.“ Diese melancholische, ja gar schwarzmalerische Weltsicht macht sich besonders in den leicht übersteuerten Gitarren bemerkbar, die als Parabel zur harten, unerbitterlichen Realität angesehen werden können und ein ums andere Mal so schnell verschwinden, wie sie über den Hörer herein gebrochen sind. Gute Ansätze sind auf „Inner Underground“ also definitiv enthalten und mit dem richtigen Feinschliff sollte es für Featuring Yourself nicht allzu schwer werden in Zukunft einfach in die Kategorie „Lieblingsband“ gesteckt zu werden.

Anspieltipps:

  • Abyss
  • The Press
  • Inner Underground

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