Neil Young - Americana - Cover
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Neil Young Americana


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Leichter Aufwärtstrend im Hause Young. Doch nach oben bleibt für einen Könner wie ihn noch viel zu viel Luft.

Dass Neil Young (66) in seinem fast fünf Dekaden andauernden Schaffen als Musiker viele kreative Höhen und Tiefen erlebt – und in den 80er Jahren mitunter gar bewusst provoziert hat – ist inzwischen ein alter Hut. Dennoch hat der als unverbesserlicher Dickkopf und Eigenbrötler gefürchtete Kanadier bis heute nicht aufgehört, im Falle eines Falles mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Seine Plattenfirma lässt den 66-Jährigen scheinbar gewähren, auch wenn selbst in besseren Momenten nicht mehr als gehobenes Mittelmaß, unterbrochen von ganz und gar unwürdigen Werken wie „Le Noise“ (09/2010) abgeliefert hat.

Da Young im Schnitt ein Album pro Jahr auf den Markt bringt, war die Ankündigung des neuen Longplayers „Americana“ erst einmal nicht mehr als eine Randnotiz wert. Doch als klar wurde, dass der 66-Jährige a.) seine Haus- und Hofgruppe Crazy Horse wieder um sich versammelt hat und b.) ausschließlich Coverversionen zum Besten geben würde, bestand zumindest die Hoffnung, dass Young zumindest noch eine ungefähre Ahnung davon hat, was sein Publikum von ihm hören will. Das wären zwar eigentlich neue Songs gewesen, die Young mit und für Crazy Horse geschrieben hat, doch so gibt es zumindest einen Kompromiss, mit dem wohl alle leben können.

Neil Young und Crazy Horse haben sich zehn Folk-Rock-Klassiker ausgesucht (und dazu als Rausschmeißer, warum auch immer, die englische Nationalhymne), die sie in ihren unvergleichlichen Garagen-Country-Rock pressen, ohne die Strukturen der Songs grundlegend zu ändern. Doch das reicht schon mal aus, um „Americana“ atmosphärisch auf eine einheitliche Wellenlänge zu bekommen. So sägen die E-Gitarren, dengeln die Drums, bollert der Bass und wehen windschiefe Chöre durch die Lautsprecher, als hätte es die fast zehn Jahre ohne Crazy Horse nicht gegeben.

Und tatsächlich scheint das Konzept, Folk-Klassiker mit dem räudigen Crazy-Horse-Sound zu überziehen, zumindest anfänglich aufzugehen, wenn Young und Co. ihre so typisch sehnsuchtsvollen Gitarrenfiguren entwerfen und Stücke wie „Clementine“ oder auch „Travel on“ als die ihren erklingen lassen. Dann spürt der Hörer die einstmalige Erhabenheit youngscher Musik und wünscht sich Alben wie „Ragged Glory“ (09/1990) oder auch „Mirror Ball“ (06/1995) zurück.

Leider geht Neil Young zum Ende hin die Luft aus, wenn er das immer wieder gerne hervorgeholte „This land is your land“ und das nicht minder bekannte „Wayfarin‘ stranger“ in zahnlosen Darbietungen zum einnicken beerdigt und zum Abschluss der englischen Königin einen schönen Gruß in einer nur zahm verhackstückten Hymne bestellt. Spätestens dann wird klar, dass auf „Americana“ deutlich mehr drin gewesen wäre. Doch inzwischen sind wir ja froh, wenn Herr Young keinen dilettantischen Müll wie „Le Noise“ mehr produziert.

Anspieltipps:

  • Travel on
  • Get a job
  • Clementine
  • Jesus‘ chariot

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