Dan San - Domino - Cover
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Dan San Domino


  • Label: Jaunorange/ALIVE
  • Laufzeit: 56 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Energie und Emotionen sind bei Dan San garantiert und werden immer gut konstruiert.

Junger Folk ist sanft, energiegeladen, emotional und frisch zugleich. Diese hohe Hürde hat das genre so fantastischen Vertretern wie den Fleet Foxes und Delta Spirit zu verdanken. Von der traurigen Hymne zum feschen Rocksong ist alles dabei und nur Akustik-Hasser und Feinde natürlichen Gesangs, der nicht immer ganz sauber ist, sträuben da noch die Haare. In dieses natürlich klingende Klangerlebnis namens Folk schmeicheln sich auch Dan San aus Belgien ein. Nach einer viel versprechenden EP vor zwei Jahren („Pillow“) folgt nun das LP-Debüt „Domino“.

Gleich zum Auftakt verspricht „Moon“ als Einstiegshymne nicht weniger als die EP. Eine Einstimmung auf eine knappe Stunde Folk kann kaum schöner klingen. Diverse Einwürfe unterbrechen das Instrumentalvergnügen und nehmen die Furcht vor wortloser Kunst. Spätestens mit „The Shade“ präsentiert sich dann das weitaus normalere Klanggewand der Band. Überlegte, nachdenkliche Strophen werden vom einfachen Chorus abgerundet. Vielschichtig präsentieren sich die Belgier und ihren Sound dabei mit Streichern, Gitarren, Percussions und Chören. Energie und Emotionen sind garantiert und werden dabei immer gut konstruiert.

Die Songs von Dan San sind nie zu einfach gestrickt, sondern ergießen sich in Crescendi, genauso wie Tempoverlagerungen. Soli und Choreinlagen sind stets Programm und so ist für Feinschmecker kaum Langeweile zu entdecken. Für die etwas leichteren Hörvergnügungen ist es jedoch nicht ganz so leicht. Hier tut sich die Band manchmal schwer ihre Texte und Musik so einzufangen, dass sie auch im Ohr bleibt. So ist „Under The Sea Of Lies“ eine kompositorisch fraglos starke Leistung, die aber nicht immer mit dem Hörer harmoniert.Vorzuwerfen, dass man auf leichte Kost verzichtet hat, ist allerdings weniger eine Kritik als viel mehr eine Bemerkung – eine Randnotiz.

Die zweite Hälfte des Albums verliert dann aber an Sogkraft. Nicht weil die Musik in ihrer Qualität stark nachlässt, sondern weil die Musik in ihrer Stimmung keine Überraschungen mehr abzuliefern weiß. Wer von der ersten Sekunde an in die Musik der Beliger verliebt ist, lernt mit dem Titeltrack und „Sleeper“ auch noch dunklere Facetten Dan Sans kennen. Es ist am Ende und auch bei wiederholten Durchläufen deutlich, dass bei aller Präzision, manche Stücke nicht so sehr zum Wiederhören einladen wie andere. So ist „Moon“ neben „The Shade“ ein kleiner Klassiker fürs Genre, wogegen viele Lieder in einem sehr guten Mittelmaß versinken. Das alles ist aber auch Kritik auf hohem Niveau, welche die Faszination und den verdienten Kniefall vor „Domino“ nicht schmälern soll.

Anspieltipps:

  • Moon
  • Under A Sea Of Lies
  • The End Of The Day Part II

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