High On Fire - De Vermis Mysteriis - Cover
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High On Fire De Vermis Mysteriis


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Liebe und andere Befindlichkeiten? Nö?! Gut, dann eben Zeitreisen, Cthulu & Jesus Christus!

Konzeptalben beginnen meist immer mit einer fixen Idee über das Thema, das behandelt werden soll. Im besten Falle führen diese dann zu solch epochalen Meisterwerken wie Dream Theaters „Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory“ (10/1999), wo der Hörer einer musikalischen Regressionstherapie beiwohnen darf, einer anarchischen Achterbahnfahrt eines „Operation Mindcrime“ (05/1988) lauscht oder es werden die unzähligen Gräueltaten der Kriegsgeschichte aufgerollt wie z.B. in God Dethroneds „Passiondale“ (04/2009) oder Exodus (bislang) zweiteiliger „Atrocity Exhibition“ (10/2007 und 05/2010). Nach dem Erfolg des Century Media-Einstands (Platz 63 in den Billboard Charts), der unbändigen Riffwalze „Snakes For The Divine“ (03/2010), hat es Matt Pike (Gesang, Gitarre), Jeff Matz (Bass) und Des Kensel (Schlagzeug) jedenfalls mächtig in den Fingern gejuckt, sodass es nach Adam & Eva nun um „Die Geheimnisse des Wurms“ (eine Anspielung auf ein Zauberbuch von Robert Bloch aus 1935, woraus H.P. Lovecraft einige Anleihen für seinen Cthulu-Mythos genommen hat) geht, wie die direkte Übersetzung des Albumtitels lautet.

Doch lassen wir Matt selbst das Konzept hinter „De Vermis Mysteriis“ erklären: „Ich hatte diese Idee zu Jesus und der Unbefleckten Empfängnis: Was wäre, wenn Jesus einen Zwilling gehabt hätte, der bei der Geburt starb und so Jesus das Leben ermöglichte? Und wenn dieser Zwilling genau dann zu einem Zeitreisenden geworden wäre? Er verbringt sein Leben damit, nach vorne zu reisen, bis er diese Schriftrolle eines alten chinesischen Alchimisten findet, der ein Serum aus dem Schwarzen Lotus gewinnt – was es tatsächlich in Robert E. Howards ‚Conan’-Geschichten gibt. Und damit reist er dann in der Zeit zurück und kann die Vergangenheit durch die Augen seiner Vorfahren sehen, doch seine Feinde können ihn töten, wenn sie denjenigen umbringen, durch dessen Augen er gerade blickt. Im Prinzip wacht er zu ungünstigen Zeiten in anderer Menschen Körper auf. Es ist wie in dieser alten TV-Show ‚Zurück in die Vergangenheit’. Kurt (Ballou, Produzent des Albums und Gitarrist bei Converge, Anm.d.Red.) hatte mich darauf hingewiesen, nachdem ich ihm von der Idee erzählt hatte. Wie auch immer – Zeitreisen ist ein absolutes Killer-Konzept.“

Alles klar? Dann wird es Zeit die Gehirnwindungen mit „Serums of Liao“ und „Bloody knuckles“ durchpusten zu lassen, die dem Doom/Thrash/Heavy Metal-Konglomerat des Vorgängers einen grandiosen roten Faden spendiert haben und erst einmal ungebremst aus den Boxen brechen. „Fertile green“ manifestiert sich im Anschluss als eine einzige massive Gitarrenwand, hinter der sich die chinesiche Mauer verstecken könnte und „Madness of an architect“ schlägt als wütender Celtic Frost-Monolith Melodien an, die man von High On Fire in dieser eindringlichen Form gar nicht mehr gewohnt war, während „Samsara“ als einziges Instrumental seinen Job als atmosphärisches Zwischenstück dermaßen perfekt meistert, dass es gar ein lupenreiner Anspieltipp ist. „Spiritual rights“ macht daraufhin einen rasanten Abstecher auf ein Crowbar-Konzert, wo die versammelte Mannschaft von Black Sabbath und Motörhead auf eine erinnerungswürdige Lokalrunde eingeladen wird, bis „King of days“ einen empfindlichen Einschnitt markiert und als vor sich hin mäanderndes Lavagestein die schwache Hälfte von „De Vermis Mysteriis“ einläutet.

Der im aufbegehrenden Stoner Rock-Kleid gekleidete Titeltrack vermisst nämlich jegliche Klimax, was „Romulus and Remus“, abgesehen von einem fulminanten Solo gegen Ende des Tracks, in gleichem Maße anstiftet kaum etwas gegen die ernüdende Monotonie zu unternehmen. Das dröhnende „Warhorn“ will mit einem steten Wechsel von Laut und Leise der Langeweile zwar ein Schnippchen schlagen, scheitert aber an zwingenden Ideen, die wohl schon alle in die starke Anfangsphase geflossen sind, wodurch High On Fire ihr mystisch-mysteriöses Konzeptspektakel mit einem blauen Auge beenden. Damit verbaut sich „De Vermis Mysteriis“ die Möglichkeit zu höheren Punkteehren zu kommen und an ähnliche Genregroßtaten wie Middians „Age Eternal“ (03/2007) oder „Quiet Earth“ (10/2008 von Bison B.C. anzuschließen. Im direkten Vergleich mit den rohen Frühwerken oder dem Century Media-Debüt ist „Die Geheimnisse des Wurms“ jedoch das bisherige Opus Magnum der drei Kalifornier. Man darf auf jeden Fall gespannt sein mit welcher thematischen Absurdität High On Fire dieses Niveau auf dem nächsten Album halten oder gar toppen wollen.

Anspieltipps:

  • Samsara
  • Fertile Green
  • Spiritual Rights
  • Serums Of Liao

Dieser Artikel ging am um 09:21 Uhr online.
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