Gaby Moreno - Illustrated Songs - Cover
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Illustrated Songs


  • Label: World Conn/EDEL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein netter Retro-Mix, der scheinbar freiwillig nichts mit der Spitzenklasse zu tun haben möchte.

Blendet man einmal die rechtlichen Bedingungen für Frauen, Afro-Amerikaner, Homosexuellen und weiteren Randgruppen der damaligen Zeit aus, waren die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts eine aufregende Zeit voller technischer Errungenschaften. Die Vervollkommnung des Radios und der Lichtspielhäuser (heute bekannt als Kinos) zum Beispiel, die, wie unlängst in Martin Scorseses „Hugo“ gezeigt, eine mystische Aura um sich haben. Genau dieser Zeit fühlt sich auch Gaby Moreno aus Guatemala verpflichtet, die entgegen dem Glimmer-Pop die Singer/Songwriter-Nische für ihre „altmodische“ Musik nutzt.

Diese Liebe zeigt sich mal dezenter durch Streicher, die keine Seltenheit bei Genrevertretern sind, Brass im Single würdigen „Mess A Good Thing“ und sogar Ragtime, also Klaviermusik ganz alter Schule, im Schlussakkord des Albums „Daydream By Design. Dazwischen mischen sich südländisch angehauchte, jazzige Nummern wie „Y Tu Sombre“ und „Lejos“ und auch ein wenig Gypsie darf nicht fehlen, um den altmodischen, aber nicht altbackenen Mix zu vervollkommen („Garrick“, „Mean Old Circus“).

Stilsicher und mit ihrer spanischen Akzentuierung der Wörter ergibt sich in jedem der Lieder eine angenehme Mischung aus der Kammermusik des letzten Jahrhunderts und der Pop orientierten Stimme Morenos. Was die Authentizität allerdings aufbaut geht ab und an an den Songs selbst verloren. Leider traut sich Gaby Moreno nie lauter zu werden und lässt damit vermissen, was die großen Damen der 20er und 30er ausgemacht hat. Große Explosionen der Stimme, die einen ganzen Raum mitreißen können, wozu im prächtigen und/oder aufreizenden Kleid getanzt wurde. Moreno dagegen stellt man sich sitzend, geschützt hinter einer Gitarre in einem Jazzclub vor, den sie mit neuen Stilelementen zu bereichern versucht.

Keines der Stücke auf „Illustrated Songs“ verfehlt den gewünschten Stil und präsentiert sich als Aussetzer. Allerdings fehlt den Liedern oftmals das gewisse Etwas, das aus ihnen etwas Großes macht. Allein die ungewöhnliche Stilwahl verhilft nicht zu unterhaltsamer Musik. So ist eine Hawaii-Surfer-Ballade wie „Fin“ eigentlich alleind es Genres wegen eine Hörenswürdigkeit, aber der Track dahinter kann selbst keine Akzente setzen. Bestes Beispiel ist die instrumentale Bläsermacht in „Sing Me Life“, denen Moreno stimmlich mit gleicher Kraft entgegenzukommen versucht. Das gelingt ihr, ist aber auch ihr einziger emotionaler Ausbruch auf der Platte. Was dafür sorgt, dass statt einem pittoresken Retro-Bild nur ein unscharfer, aber nett klingender Schwall aus gleichtönigen Liedern herauskommt, statt einem Haufen Songperlen.

Anspieltipps:

  • Sing Me Life
  • Mess A Good Thing
  • Ave Que Emigra

Dieser Artikel ging am um 18:30 Uhr online.
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