Die Toten Hosen - Ballast Der Republik - Cover
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Die Toten Hosen Ballast Der Republik


  • Label: JKP/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Toten Hosen rocken auf „Ballast der Republik“ befreit und ungehemmt drauf los.

Nachdem man bei den letzten Alben von Deutschlands Punkrockelite – Die Toten Hosen und Die Ärzte – immer das latente Gefühl hatte, dass beide Bands auf ihre alten Tage unbedingt noch etwas beweisen wollen und dabei ein ums andere Mal verkrampften, ist im hohen Alter von 30 Band-Jahren (Ärzte und Hosen feiern in diesem Jahr gemeinsam ihr Jubiläum) endlich wieder alles gut: Die Ärzte (aus Berlin!) legten vor drei Wochen mit „Auch“ (04/2012) elegant vor, nun ziehen Die Toten Hosen (aus Düsseldorf!) mit „Ballast der Republik“ ebenso befreit und ungehemmt nach.

Das dazu erbringende Kunststück bestand darin, die richtige Balance aus Blödelpunk á la „10 kleine Jägermeister“ und Rocksongs mit persönlichen, tiefgehenden bzw. politisch anspruchsvollen Texten zu finden. Denn sobald sich die Waage zu sehr in eine Richtung neigt, fällt es schwer den Toten Hosen die Stange zu halten. Die Single „Tage wie diese“, die eindeutig als Konsenslied, auf das sich die meisten Radiohörer einigen können, vorgeschickt wurde, konnte diesbezüglich noch nicht überzeugen. Doch mit der üppigen Auswahl von 16 Songs auf „Ballast der Republik“ lässt sich die leichte Schieflage gleich mehrfach korrigieren.

Campino, der berufsjugendliche Hosen-Sänger, wird in diesem Sommer 50 Jahre alt. Damit kommt der Frontmann langsam in ein Alter, wo die Rückschau auf das bisherige Leben immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Was habe ich erreicht? War es das wert? Habe ich alles richtig gemacht? Campino befasst sich zwar nicht erst seit gestern mit solchen Themen, doch es scheint fast so, als würden die philosophischen Ansätze immer mehr zunehmen. Doch wie gesagt: Die Mischung und die Balance machen es aus. Und hier kann „Ballast der Republik“ aus dem Vollen schöpfen.

Nach einem atmosphärischen Breitwandintro („Drei Kreuze dass wir hier sind“) lassen die Hosen gleich mit dem Titeltrack die Hunde von der Leine und steuern über das schon erwähnte „Tage wie diese“ den ersten Höhepunkt des Albums an: „Traurig einen Sommer lang“ ködert den Hörer mit feinstem Melody Punk und dem Thema tote Rockstars. Danach schwelgt „Altes Fieber“ ebenso melodiös in der Vergangenheit, während „Schade, wie kann das passieren?“ wieder eine Hymne für alle Fußballfans darstellt. Aus der Abteilung „pathetische Akustikballade“ holt sich diesmal „Draußen vor der Tür“ als Lied für Campinos Vater die Krone ab, „Oberhausen“ beweist, dass Liebeslieder auch hart rocken können und als ein weiterer Rückblick auf die Karriere der Toten Hosen sorgt „Das ist der Moment“ in Zukunft gewiss für heftige Circle Pits in den Stadien dieser Republik.

Dass „Ballast der Republik“ bei einem halben Dutzend hochkarätiger Songs ganz ohne den für die Toten Hosen symptomatischen Totalausfall daherkommt, ist vielleicht der größte Verdienst des 15. Studiowerks der Düsseldorfer. Diese zeigen sich tatsächlich wie von einer Last befreit, indem sie schwungvoll und mit Niveau wie eine immer noch hungrige Band rocken. Was will der Fan nach 30 Jahren mehr?

Anspieltipps:

  • Oberhausen
  • Drei Worte
  • Altes Fieber
  • Das ist der Moment
  • Traurig einen Sommer lang
  • Schade, wie kann das passieren?

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