Regina Spektor - What We Saw From The Cheap Seats - Cover
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Regina Spektor What We Saw From The Cheap Seats


  • Label: Sire/WEA
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Restverwertung und brandneues Material gehen Hand in Hand auf Spektors sechstem Album.

Drei Jahre hat das letzte Studioalbum von Regina Spektor, „Far“ (06/2009), inzwischen auf dem Buckel. Das ist in der heutigen Zeit eine ziemliche Hausnummer. Vielleicht hat Regina Spektors Plattenfirma deshalb mal bei ihrer Vertragspartnerin durchgeklingelt und mit zartem Druck nach neuem Material verlangt. Das erklärt unter Umständen, dass auf „What We Saw From The Cheap Seats“, dem sechsten Studioalbum der 32-Jährigen, neben brandneuen Kompositionen auch Songs vorhanden sind, die lange Zeit in der Schublade herumlagen, einzelne Fragmente benutzt wurden, die bereits in älteren Spektor-Liedern auftauchten sowie Stücke im Studio eingespielt wurden, die längst Einzug in das Live-Repertoire der russisch-amerikanischen Sängerin und Songschreiberin gefunden haben.

Bemerken werden solche Details fraglos nur Insider und Pressefuzzis, die mit der Nase darauf gestoßen werden. Alle anderen werden das von Mike Elizondo (Eminem, Fiona Apple, Alanis Morissette, P!nk, Nelly Furtado) produzierte Album wertneutral unter die Lupe nehmen und feststellen, dass Regina Spektors avantgardistischer Piano-Pop nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Bereits im Opener „Small town moon“ spielt sie mit ihrer Stimme und den Betonungen, während sie in „Oh Marcello“ den Disco-Kracher „Don’t let me be misunderstood“ zitiert und in ein typisches Regina-Spektor-Songkorsett transferiert.

All das geschieht mit unheimlicher Leichtigkeit und einem Selbstverständnis, mit dem Regina Spektor die Popmusik auf eine höhere Stufe hievt – weg von den Reißbrettsongs, die einem tagtäglich im Radio um die Ohren gehauen werden. So erklingt ganz natürlich eine Marimba in „Don’t leave me (ne me quitte pas)“ und Bongos tummeln sich in „The party“. Querverweise in Richtung Tori Amos und Fiona Apple sind dabei nicht von der Hans zu weisen, doch nur Regine Spektor besitzt diese grenzenlose Leichtigkeit, mit der sich ein Künstler nicht lächerlich macht, wenn er davon singt, „that true love exists“ oder eine verflossene Liebe betrauert und sich gleichzeitig nach einer neuen großen Liebe sehnt („How“).

Regina Spektor beherrscht das Zusammenspiel aus avantgardistischen Stücken („All the rowboats“), scheinbar einfachen Popsongs („Ballad of a politician“) und ans Herz gehenden Balladen annähernd perfekt. Sie wäre allerdings nicht die Künstlerin, die sie ist, würde sich nicht die simple Schönheit einer Pianoballade wie „Firewood“ noch mit ein paar neckischen Fingerübungen durchkreuzen, freilich ohne den Faden zu verlieren. Das unterscheidet die 32-Jährige von der breiten Künstlermasse, die allwöchentlich die Veröffentlichungslisten mit ihrem geistigen Müll verstopft.

Anspieltipps:

  • How
  • Open
  • Oh Marcello
  • All the rowboats
  • Don’t leave me (ne me quitte pas)

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