Pigeon Toe - The First Perception - Cover
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Pigeon Toe The First Perception


  • Label: Lifeforce Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
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10 1 7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fear My Thoughts sind tot, lang lebe Pigeon Toe!

Als jedem, der „Isolation“ (07/2008) als einen mutigen, wie auch vorzüglichen Schritt in eine neue Ära für Fear My Thoughts erachtete, klar wurde, dass dieser Output das Ende und keinen Neuanfang für die Band darstellte, war die Enttäuschung riesengroß. Lobpreisungen und Euphorie hinsichtlich der tollen Stimme des Benedikt von Ockl-Ersatzes Martin Fischer, die stark progressiven Tendenzen gepaart mit melodischem Todesblei und die damit einhergehenden wundersamen Alben, die in Zukunft daraus entstehen könnten, lösten sich in Rauch auf. Vier Jahre später scheint die Welt jedoch wieder in Ordnung, denn ein Großteil der ehemaligen Fear My Thoughts-Mannschaft versammelt sich unter dem Pseudonym Pigeon Toe und macht dort weiter, wo „Isolation“ aufgehört hat.

Das wären unter anderem der hochgelobte Martin Fischer (Gesang, Gitarre), Patrick Hagmann (Gitarre, Synthesizer) und der mittlerweile auch bei Triptykon untergekommene Schlagzeuger Norman Lonhard, sowie die beiden „neuen“ Mitstreiter Hans Fischer (Gitarre) und Ben Krahl (Bass). Gemeinsam verfolgen die fünf Deutschen auf den ersten Blick allerdings keine wahnwitzige Mischung aus Stoner, Doom, Gothic, etwas schwedischem Death und Hardcore, sondern frönen schlicht und ergreifend einer schwer definierbaren, progressiven Suppe mit einem Hauch psychedelischer Tendenzen. Wer jetzt glaubt, es handelt sich bei „The First Perception“ um eine versalzene Instantbrühe, der hat die Rechnung ohne Fischer & Co. gemacht, denn schon der eröffnende Titeltrack bohrt sich mit einem übermächtigen Widerhaken tief in den Gehörgang des Hörers und fasziniert sofort durch kraftvolle Gitarren und einer dunstigen Atmosphäre.

„The chase“ wildert anschließend mit Djent-Rhythmus und großartigem Finale in vertrackten Sphären, während „Sneak“ zu Beginn schwerfällige Drums und in weiterer Folge eine kompakte Rush-Ästhetik, also keine ausufernden Frickeleien, anzubieten hat, bis „The cave“ einen etwas zu ruhigen Übergang zum mit grandiosen Gesangsharmonien gespickten „The man with the cat“ bildet, das genauso gut von Mastodon stammen könnte. Hatte bisher jeder Song einen besonderen Kniff oder etwas Magisches zu bieten, verlassen Pigeon Toe diese Ebenen nun und markieren diese Entscheidung mit dem fast zehn Minuten langen „A broken man“, das mit ab- und anschwellendem Gestus zwar seinen Reiz besitzt, aber mehr eine stimmungsvolle Nachbildung von Progressivität darstellt anstatt ein in sich schlüssiger, mitreißender Track zu sein.

Ähnlich ergeht es auch „Second try“. Eingeleitet von einer tiefen Verbeugung vor Tool fließt der Song während seiner gesamten Länge lediglich andächtig vor sich hin, der große Knall bleibt leider aus. Das viel zu kurze Instrumental „The crooked path“ macht seine Sache bedeutend besser, dummerweise ist der knackige Exkurs in Sachen Spielfreude bereits nach zwei Minuten vorbei und die beiden „Wizard“-Kompositionen treten in den Vordergrund, hinterlassen aber außer einer netten Glöckchenmelodie im ersten Teil und einer regelrecht unauffälligen Jam Session im zweiten keinen besonderen Eindruck. Interessanter schlägt dafür der harte „Flashback“ zu Buche, der in der Zielgeraden mit Banjo und erhöhtem Perkussionsanteil einen facettenreichen Ausflug ins Multiinstrumentalfach wagt und „The First Perception“ mit etlichen Windungen, aber dafür umso spannender ausklingen lässt.

Ist Pigeon Toe also die Antwort auf das Ende von Fear My Thoughts? Jein! Das natürliche Klangbild und die unzähligen Ideen, Falltüren, sowie Rhythmus- und Taktwechsel, die selbst nach mehreren Durchgängen die grauen Zellen rauchen lassen, sind ohne Frage vorhanden, doch die zupackende Ader seines Vorgängers im Geiste hat das Debüt des Fünfers nur in der ersten Hälfte zu bieten und verliert sich anschließend in allzu ziel- wie wahllosen Aneinanderreihungen von Bausteinen, aus denen anders zusammen gebaut ein monumentales Prachtexemplar progressiven Metals entstehen hätte können. In der vorliegenden Form ist der Bastard aus späteren Opeth, Mastodon, Vildhjarta, Rush und King Crimson zwar äußerst schmackhaft, aber nur wirklich starken Mägen zu empfehlen.

Anspieltipps:

  • The Chase
  • The Flashback
  • The First Perception
  • The Man With The Cat

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