69 Chambers - Torque - Cover
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69 Chambers Torque


  • Label: Massacre Records
  • Laufzeit: 64 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Von nackten Tatsachen und kalten Schultern: Mit dieser Schlaftablette will niemand ins Bett!

Exakt drei Jahre sind ins Land gezogen seitdem das Schweizer Alternative Rockgespann 69 Chambers die weiblichen Vorzüge ihrer Frontfrau dekorativ auf dem Cover des Erstlings „War On The Outside“ (04/2009) in einer Badewanne präsentierte und dadurch so manchen leicht erregbaren Hörer beim Anblick ins Schwitzen brachte. Zur großen Verwunderung war das dazugehörige Audiomaterial ebenfalls äußerst ansprechend, sodass „Torque“ eine gewisse Erwartungshaltung vorauseilt, die Nina Treml (Gesang, Gitarre), Maddy Madarasz (Bass) und Michi Brugger (Schlagzeug) allerdings ohne mit der Wimper zu zucken missachten und einen Nachfolger auftischen, der nicht viel mit dem geradeaus rockenden und ungezwungenen Debüt zum tun hat.

Trotz eines starken Auftakts mit dem stürmisch aus den Boxen brechenden „Cause and effect“ (unterstützt von Eluveitie-Mastermind Christian Glanzmann) und dem netten, wenn auch reichlich unauffälligen „Bring on the flood“ beschleicht einen, nicht nur des wesentlich zugeknöpfteren Artworks wegen, relativ schnell das mulmige Gefühl, das hier irgendetwas im Busch ist. Den Beweis liefern die düstere, an Otep angelehnte Nullnummer „Naughty naughty naughty“ mit seiner ausufernden Länge von über sechs Minuten, altbackene, sich äußerst schnell abnutzende Alternative-Schunkeltracks wie „Burn some gasoline“, „Ring a bell“ und „The doom of her power“ oder vom Klavier geleitete Jammertäler („Elegy“). 69 Chambers wollen wohl lieber auf Teufel komm raus´ Musik mit Anspruch machen anstatt den Hörer zu unterhalten, vergessen dabei aber das Soundgefüge mit einer spannenden Achterbahnfahrt mit facettenreichen Attraktionen zu spicken und changieren lediglich zwischen Schwarz und Weiß, Laut und Leise, Gut und Böse.

Frau Treml verrichtet zwar einen hervorragenden Job und gibt mit Bravour den Racheengel, die leidende Schönheit oder das grunzende Schwein, aber wenn der Rest um sie herum nicht mehr als eine Handvoll Ideen zu bieten hat bzw. diese erbarmungslos widergekaut werden, dann ist die Aufmerksamkeitsspanne bei stolzen 64 Minuten Laufzeit schneller dahin, als dem Dreier lieb ist. Dabei hätte es gereicht 2 – 3 der schwächeren Songs zu streichen und den Rest etwas kompakter zu gestalten und es wäre erneut ein energiegeladenes Exemplar schweizerischer Handwerkskunst herausgekommen. In vorliegendem Fall ist „Torque“ jedoch nicht mehr als ein wirksames Medikament gegen chronische Schlafstörungen oder ein Produkt für alle masochistischen Treml-Fans, die die resolute Dame nicht nur ihres tattowierten Körpers wegen seit dem Debüt ins Herz geschlossen haben.

Anspieltipps:

  • Grace
  • Your Fool
  • The Peep Hole

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