Cradle Of Filth - Midnight In The Labyrinth - Cover
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Cradle Of Filth Midnight In The Labyrinth


  • Label: Peaceville/EDEL
  • Laufzeit: 143 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung
4.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Achtung: Diese Platte kann chronisches Schulterzucken, großes Unverständnis und akute Geldverschwendung hervorrufen!

Was passiert wenn man einem Meisterwerk wie Francis Ford Coppolas „Der Pate“ oder Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ die Dialoge entzieht? Es fehlt einfach etwas Essentielles, das wichtig für die Atmosphäre und das Gelingen des künstlerischen Entwurfes ist. Und wenn man, sagen wir, Cradle Of Filth-Songs der ersten vier Alben („The Principle Of Evil Made Flesh“ (02/1994), „V Empire“ (04/1996), „Dusk...And Her Embrace“ (08/1996) und „Cruelty And The Beast“ vom April 1998) ihrer rohen Aggression und sinistren Schönheit, genauer gesagt ihren Death und Black Metal-Wurzeln, beraubt? Die Antwort auf diese Frage gibt nun „Midnight In The Labyrinth“, eine 2 ½ stündige Doppel CD, vollgepackt mit 19 Tracks, ausgewählt vom Meister himself, Daniel Lloyd Davey alias Dani Filth.

Gemeinsam mit Keyboarder und Komponist Mark Newby-Robson und der zurückgekehrten Gothic Lady Sarah Jezebel Deva wollte Dani den Fans eine musikalische Reise a la Jerry Goldsmith, Danny Elfman oder Hans Zimmer schenken, die es in dieser Form noch nicht gab. 143 Minuten später weiß man auch warum. Das Problem hinter dem rein orchestral gehaltenen und mit gelegentlichen Chören ausgestatteten Doppelalbum liegt jedoch nicht ausschließlich darin, dass sich CD 1 und 2 inhaltlich mit Ausnahme des vollkommen überflüssigen, wirren und mit über 13 Minuten erbarmungslos langen Psychotrips „Goetia (Invoking the unclean)“, der mit oszillierenden Samples, fehlendem roten Faden und abstrusem Was-auch-immer-Sounds gespickt ist, vollkommen gleichen und die Kompositionen lediglich einmal in einer Version mit Gekreisch, Geflüster und Gefiepe von Dani und Sarah vorliegen und einmal auf diese verzichten, sondern daran, dass ein Cradle Of Filth-Song ohne spontane Doublebasseruptionen, rasante Black Metal Riffs und einer (in der Anfangszeit) kalten Todesbleistimmung nicht funktioniert. Schon gar nicht wenn das Orchester aus Plastik ist.

Dabei muss man gestehen, Tracks wie „Funeral in Carpathia“, wo verschwörerische Streicher Gänsehaut erzeugen, weil sie ihr Vibrato in derselben Vehemenz einsetzen wie Michael Giacchino in seinem Soundtrack zur Mysterieserie „Lost“, um dann in ein vor Wehmut strotzendes Bad aus Geigen und Cellos zu tauchen, oder „Summer dying fast“ mit seinen kaskadierenden Flöten, welche immer wieder zum Sturzflug ansetzen, verfügen über einige denkwürdige Momente, die einen interessanten, alternativen Ansatz zu den Urfassungen darstellen. Da solche gelungenen Ideen die restliche Laufzeit jedoch praktisch nicht existent sind und neben fehlender Durchschlagskraft (paradigmatisch hierfür der zahnlose symphonische Koloss „Cruelty brought thee orchids“ im Vergleich zu seiner unbarmherzig brandschatzenden Urversion), simplen Hörspielsamples (z.B. Wolfsgeheul in „A gothic romance“), offenkundiger Detailarmut und einem zähflüssigen, ja geradezu latent monotonen Ablauf rein gar nichts passiert, kann man nur hoffen, das Mr. Filth nicht auf die Idee kommt und ausgewählte Stücke der restlichen Alben durch den symphonischen Fleischwolf dreht. Zum Glück gibt es für Cradle Of Filth bereits im Herbst mit dem Nachfolger zu „Darkly, Darkly Venus Aversa“ (10/2010) eine Möglichkeit zur Wiedergutmachung!

Anspieltipps:

  • Summer Dying Fast
  • Funeral In Carpathia
  • The Twisted Nails Of Faith

Dieser Artikel ging am um 13:11 Uhr online.
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