Richard Hawley - Standing At The Sky´s Edge - Cover
Große Ansicht

Richard Hawley Standing At The Sky´s Edge


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 51 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Brite setzt neue, kraftvolle Akzente und berauscht durch eine kernige Gradwanderung zwischen Ruhe und Aufbruch.

In der Solo-Karriere des Briten Richard Hawley findet sich mittlerweile ein Meilenstein nach dem nächsten, so dass die obgleich netten Randnotizen des Freundes von Jarvis Cocker und Tour-Gitarristen von Pulp deutlich an Wirkung verlieren. Ob einer herausragenden, eigenen musikalischen Vita, die unter anderem dem Folk/Country frönte („Lady´s Bridge“) und zuletzt die Streicher tief im Mark verankerte („Truelove´s Gutter“), benötigt es keine Füller mehr.

Ginge es jedenfalls nach Hawleys Frau, und ihr Einfluss wird kaum abgestritten werden, sollte Schluss sein mit dem Schwarz-Weiß Kontrast und die Farben heraustreten. Schon das munter psychedelische Artwork von „Standing At The Sky´s Edge“ macht dann folgerichtig deutlich, wie sich etwas in der Grundausrichtung des Mannes aus Sheffield geändert hat. Richard Hawley schüttelt den Rock aus dem Ärmel, die krachige Dramatik und Hingabe eines bestechenden Gitarristen, der hier sein Instrument endlich im verdienten Maße einsetzt.

Es ist bei weitem nicht so, als wenn die drückende E-Gitarre oder der raumfüllende Einsatz dieser auf den bisherigen Werken gefehlt hätten, doch schon beim treibenden Groove des Openers „She Brings The Sunlight“ zünden die sich auftürmenden Gitarren-Soli, dass man sie eindeutig nicht mehr missen möchte. Im Blues-Rock des Titeltracks rücken die Chöre und ihre sehnsüchtige Atmosphäre den Sound grob gefasst zwischen die letzte Platte und dieser. Auch „Time Will Bring You Winter“ manövriert den Hörer in diese Konstellation, ehe der psychedelisch, in Noise gebettete Ausklang diesen anfänglichen Eindruck zurecht rückt. Denn „Standing At The Sky´s Edge“ sonnt sich nicht in schwebender Melancholie, es durchbricht im wahrsten Sinne alle Fesseln und schreibt den Rock in Großbuchstaben. So groß zumindest, wie „Down In The Woods“ in Post-Punk Manier in die Vollen geht und „Leave Your Body Behind You“ den tänzelnden Brit-Rock würdevoll in das neue Jahrtausend mitnimmt.

Doch Richard Hawley platziert auch leise Töne in der von ihm bekannten Weite und Eleganz, wie „Before“ samt ausschweifendem Saitenspiel vertont und damit einen Kreis aus den genussvollsten Eigenschaften der letzten Jahre im Schaffen des Musikers zieht. Im lustvoll ausgelebten Drang dieser über alle Zweifel erhabenen Platte verschafft sich die Ruhe einen besonderen Platz, der nun noch zwingender als bisher zur Geltung kommt.

Anspieltipps:

  • Standing At The Sky´s Edge
  • Down In The Woods
  • The Wood Colliers Grave
  • Leave Your Body Behind You

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Richard Hawley“
comments powered by Disqus