Spiritualized - Sweet Heart Sweet Light - Cover
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Spiritualized Sweet Heart Sweet Light


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

BritPop/Rock so authentisch wie selten – aber ohne die ganz großen Klänge.

Ab einem gewissen Punkt einer Karriere müssten Erwartungshaltungen eigentlich zurückgehen. Von einem Mitarbeiter in einer Firma wird nach 5 Jahren solider Arbeit schließlich auch nicht erwartet, dass er noch mit großartigen Änderungen überrascht. Ganz im Gegenteil: Kontinuität ist im sonst so schnelllebigen Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts eine Tugend, solange nicht stagniert wird. Im Geschäft der Popmusik ist das nicht großartig anders. Denn auch wenn Bands immer wieder davon reden sich neu erfinden zu wollen, wünschen sich Fans etwas Spezielles, wenn sie das neue ihrer Lieblingsband erwarten. Kein Green Day will ein Prog-Rock-Paket und welchem Keane-Jünger die ersten Boten des neuen Albums „Strangeland“ zu lieblich klingen, der hat die Band seit ihrem Bestehen nicht verstanden.

J. Spaceman geht mit seiner Band Spiritualized mit der neuen Scheibe „Sweet Heart Sweet Light“ bereits in die siebte Runde und kann sich ruhig als ein fester Bestandteil der Musikszene sehen. Wer ihn kennt, weiß was er bekommt. Schnörkelloser, religiös angehauchter Brit-Rock, der die alten Brit-Weisheiten von hymnischen Refrains, viel Emotionen und leicht ins Ohr gehenden Melodien verbindet. „Little Girl“, „Life Is A Problem“ und auch „Too Late“ machen deutlich, dass die Balladen im Vordergrund stehen. Dabei schlägt Spaceman so in die Kerbe des 90er-Brit-Rocks, dass man gleich wieder die Gallagher-Brüder und ihre Topfschnitte und Sonnenbrillen vor Augen hat.

Allein die handvoll an Überlänge-Songs mag einige Zuhörer überraschen. Im Stile von Oasis' „Be Here Now“ geben sich Tracks von sechs bis acht Minuten die Ehre ohne dabei großartig die Stimmung zu Wechseln. Dabei wird von der überlangen Single, die volle acht Minuten dasselbe Programm fährt („Hey Jane“), natürlich auch die stets steigernde Stadion-Hymne geboten („So Long You Pretty Thing“ und „Mary“) und auch zum malträtieren der Instrumente wird ein mehrminütiger Ausklang schon mal genutzt („Heading For The Top Now“).

Wirklich innovativ geht Spiritualized dabei allerdings nicht vor und trotz großer Arrangements mit Bläsern, Chören, Piano und Streichern (wie z.B. der Schlusstrack) hat man das Gefühl eine Best-Of-Show für die 90er zu hören. Dabei werden allerdings nicht die ganz großen Hits gespielt, sondern aus rechtlichen Gründen nur Songs gespielt, die dem Geist der Zeit entsprechen. Da ändert auch der Soul-Ausflug in „I Am What I Am“ nichts. Ohne dem Album Kopien nachzusagen ist „Sweet Heart Sweet Light“ nicht mehr als eine authentische Erinnerung an den Brit-Pop/Rock der 90er ohne dabei eigene Riffs und Hooklines ans Tageslicht zu bringen, die dem Album zu eigenständiger Größe verleihen.

Anspieltipps:

  • Too Late
  • So Long You Pretty Thing
  • I Am What I Am

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