Garda - A Heart Of A Pro - Cover
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Garda A Heart Of A Pro


  • Label: K&F Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album, das mit stolz geschwellter Brust dem Pop vor die Stirn stoßen könnte, versteckt sich vor sich selbst.

Deutschland goes Indie! Was in den 90ern und zu Beginn des neuen Jahrtausends noch als typischer Rock aus Deutschland abgetan wurde, kann heute als Indie und Singer/Songwriter verkauft werden. Die großen Popwunder wie sie in den USA und UK immer wieder die ganze Welt begeistern gibt es in Deutschland einfach nicht. Es stellt sich hierbei natürlich die Frage, ob Deutschlands abermals den Anschluss verloren hat und weiterhin als Entwicklungsland der internationalen Popmusik dahin dümpelt.

Natürlich könnten wir davon sprechen, wie herrlich ruhig und ausgeglichen Gardas neues Album „A Heart For A Pro“ geworden ist. Baldrian für die Ohren und was man noch schreiben könnte, aber viel gravierender ist, dass sich niemand nach dieser Ruhe umdrehen wird. Bezeichnend zum momentanen Trend der deutschen Musikszene ist vielmehr, dass sie sich zwar sprachlich internationalisiert (ergo: die englische Sprache nutzt), aber dies mehr als Deckmantel nutzt, um möglich nicht über den Grenzen der Republik wahrgenommen zu werden. Genau für dieses Manko deutscher Popmusik ist Gardas neuer Silberling ein Vorzeigebeispiel.

Obwohl sich die Dresdener als sechsköpfige Formation präsentieren, klingt die Wurzel in Form von Singer/Songwriter Kai Lehmann immer noch klar durch. Reduktion und Minimalismus beherrschen, wie so oft im Genre, das Album und versuchen eine Intimität herzustellen, die uns schon vor Menschen wie Ray LaMontagne hat niederknien lassen. Der Versuch des Sextetts jedoch Popmusik mit Singer/Songwriter-Experimenten zu verbinden, ist ein verkopftes Unterfangen.

Der Opener „Upper/Lower Water Course“ klingt mehr nach Prog-Rock, wenn nicht gerade der ruhige Gesang Vorrang bekommt. Dazu gesellt sich ein Hauch von The Cure im anschließenden „Vessels“. Was nach einem wirklich ambitionierten Experiment klingt, stellt sich im Hörergebnis jedoch der Realität. Nett schmiegen sich solche Nummern ans Ohr und wissen zu gefallen, aber nicht zu begeistern. Garda liefern Antworten für die Unentschlossenen, die sich den großen Zirkus und die kleinen, wertvollen Gefühle nicht zugestehen wollen.

Die Mischung klingt mehr wie ein undurchdringbares Netz, als ein kunstvolles Konstrukt. „Vessels“ ist das beste Beispiel, das nach Country-Gitarre in Post-Rock und Bläser-Einlagen mit BritRock-Gesang mutiert. Eine riesige Leistung auf dem Papier, die aus den Boxen so verwaschen klingt, dass man meinen müsste, den Dresdnern wäre Größe peinlich. Genau diese Art von Understatement versteckt eine sehr anspruchsvolle Pop/Rock-Hoffnung Deutschlands vor der Welt, aber auch besonders vor sich selbst. Da kann und muss man die Texte beiseite legen, denn was bringen präzise und emotionale Analysen von verlorenemLeben, wenn diese Botschaften im Strudel aus Unzulänglichkeit und fehlenden Selbstvertrauen untergehen?

Anspieltipps:

  • Upper/Lower Water course
  • Vessels
  • 00:00

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