Caroline Henderson - Jazz, Love & Henderson - Cover
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Caroline Henderson Jazz, Love & Henderson


  • Label: Classical/Sony Music
  • Laufzeit: 38 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Henderson kann sich nicht entscheiden, ob sie routiniertes Mittelmaß oder doch souveräne Güteklasse A abliefern möchte.

Das Wort Allrounder klingt nicht immer positiv. Man kann damit ein Naturtalent in vielen Dingen oder jemand mit einer Vielfalt an Eigenschaften meinen. Manchmal ist es aber auch einfach nur eine Umschreibung dafür, dass man vieles gut, aber nichts überragend kann. In ihrer Wahlheimat Dänemark muss sich Caroline Henderson solche Vorwürfe nicht gefallen lassen. Nennt man sie einen Allrounder, dann ist von Bewunderung für die bald 50-Jährige die Rede. Wie sie Theater und Film mit ihrer ersten Liebe der Musik vereinbart hat, ist für viele ein Vorbild. Fernab von Attitüden und Skandalen hat die Jazz-Sängerin eine Ausgeglichenheit an den Tag gelegt, der bei den ganz großen Stars oft vergeblich gesucht wird.

Dass ihre Platte dann gleich bei Sony Classical publiziert wird, wirkt fast schon zu stoisch und unaufgeregt für die gebürtige Schwedin. Aus Sicht des Mainstreams müsste man fast vermuten, dass Henderson gar nicht mehr auf Erfolge aus ist. Um genau solchen Diskursen um die Karrieresättigung Hendersons vorzubeugen, beginnt das Album famos mit „The Evil Eye“. Selbst Menschen, die sonst dem Jazz entsagen, werden der groß angelegten Nummer mit Streichern und Bläsern applaudieren. Zu legitim scheint hier ein verloren gegangenes James-Bond-Opening wieder aufgetaucht zu sein.

Obwohl das Album mit seinen 38 Minuten schon nicht sehr lang geraten ist, spürt man leider schnell die Längen auf „Jazz, Love & Henderson“. Gemütlich sommerlich präsentiert die Akustikgitarrennummer „Calamity Lane“ die Stärken der Frau mit der vollen Stimme, muss dabei aber auch das plätschernde „Falling Again“ ausbügeln. Seit knapp 30 Jahren macht Henderson schon professionell Jazz-Musik. Dass es weniger der Stil als das Arrangement selbst das Problem darstellt, zeigt sich offen. Vielmehr ist eine gewisse Naivität gegenüber der Hörerschaft zu erkennen. „Trilingual Love Song“ trägt sich nicht nur durch den Einsatz mehrerer Sprachen und auch das textlich schöne „I Am She“ weiß nicht ohne instrumentale Hilfe zu strahlen. Genau diese Stücke zeigen aber eine strukturelle Plätte, die Jazz von seiner langweiligen Seite zeigen.

Glücklicherweise halten sich solche Mittelmaßnummern mit schön gestalteten Brass-Nummern „From New York“ und auch intensiven Balladen „Gone Fishing“ die Waage. Diese Balance ist allerdings keine, die freiwillig erwünscht wird. Da erinnert man sich wieder an den Ausdruck Allrounder, dem Henderson in beiden Sinnen gerecht wird. Sie zeigt, dass sie dem Jazz immer noch mächtig ist. IN welcher Dimension und Qualität allerdings schwankt die komplette Spielzeit zwischen routiniertem Mittelmaß und souveräner Güteklasse A.

Anspieltipps:

  • Gone Fishing
  • The Evil Eye
  • From New York

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