Tears For Fears - Songs From The Big Chair - Cover
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Tears For Fears Songs From The Big Chair


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem zweiten Album bewiesen Tears For Fears ihr unnachahmliches Talent für atmosphärischen Pop-Sound und herausragende Kompositionen.

Die britische New-Wave-Band Tears For Fears zählte Mitte der Achtziger Jahre zu den wegweisenden und kommerziell erfolgreichsten Bands der Welt. Zu verdanken hatten sie diesen Umstand ihrem zweiten Album „Song from the big chair“, einem umwerfenden, musikalisch höchst anspruchsvollen aber dennoch zugänglichen Pop-Album auf der Höhe der damaligen Zeit. Als das Album zu Beginn des Jahres 1985 erschien, war die aus dem westenglischen Bath stammende Band um Sänger und Gitarrist Roland Orzabal bereits regelmäßiger Gast in den britischen Hitparaden. Schon mit ihrem 83er-Debütalbum „The Hurting“ erreichten sie den ersten Platz in der britischen Heimat und auch die drei Single-Auskopplungen „Mad world“, „Change“ und „Pale Shelter“ entwickelten sich zu erfolgreichen Hits, die sich allesamt in den Top Ten der Single-Charts wiederfanden. Während sich das Debüt noch durch eine eher nachdenkliche, elegische und oft bedrückende Grundstimmung auszeichnete, präsentierten sich Tears For Fears auf „Songs from the big chair“ positiver und weltoffener. „Songs from the big chair“ bot zeitgemäße, hochklassig produzierte Popware und zählt heute zurecht zu den stärksten Pop-Platten der mittleren Achtziger.

Das Album steht klar im Zeichen seiner unschlagbaren Singles, die sich im Laufe des Jahres 1985 auf beiden Seiten des Atlantiks zu Welthits entwickelten. Und so eröffnet mit dem hymnischen, fast siebenminütigen „Shout“ ein Song das Album, der sowohl in den deutschen als auch amerikanischen Charts den Spitzenplatz erreichte und bis heute immer wieder Einzug in die Playlists diverser Pop-Radiosender hält. „Shout“ zeichnet sich durch seinen einfachen, aber leidenschaftlichen Refrain aus und ist mit seiner Länge und den vielen Instrumentalpassagen dabei doch eine eher untypische Single. Das poetische „Everybody wants to rule the world“ – die zweite Singleauskopplung – ist ein weiterer Höhepunkt des Albums. Inhaltlich dreht sich das Stück um das Elend, Leid und die Kriege in der Welt, hervorgerufen durch den nach Macht und Autorität strebenden Menschen. „Everybody wants to rule the world“ gewann 1986 einen BRIT Award in der Kategorie „Beste Single“ und wurde bis 1994 so oft in US-amerikanischen Radios gespielt wie kein anderer Song. Auch hier vermischen sich – wie auf dem gesamten Album – Synthesizer und Keyboards mit klassischen Instrumenten wie Gitarre, Bass und Schlagzug. Die dritte Single, „Head over heels“, ist ein zurückhaltender, dezenter und anschmiegsamer Pop-Song, der bis heute zu den herausragenden Kompositionen und intimsten Liebesliedern im gesamten Oeuvre der Band gehört.

Aber auch jenseits der – äußerst erfolgreichen Singles – finden sich popmusikalische Großtaten auf „Songs from the big chair“. „The working hour“ ist eine intensive, atmosphärische Ballade, in deren Mittelpunkt das eindringliche Saxofonspiel von Mel Collins steht. Saxofonist Collins wirkte bereits auf dem Vorgänger „The Hurting“ mit. Heimliches Highlight auf „Song from the big chair“ ist der letzte Song, „Listen“. In diesem Lied manifestiert sich alles, was Tears For Fears zur damaligen Zeit auszeichnete und von der Konkurrenz abhob: lyrische Songtexte, einfühlsame, fast sphärische Soundflächen und ein gezielter Einsatz der Instrumente, die zu einem sanften, stimmigen Gesamtsound verschmelzen. Dieser Sound prägt das gesamte Album, von „Shout“ bis „Listen“. Einzig „I believe“ kann qualitativ nicht ganz mit dem Rest mithalten. „I believe“ gefällt zwar abermals durch ausgefeilte Lyrics, ist am Ende aber nicht mehr als eine harmlose und einschläfernde Ballade ohne sonderliche Wirkung. Aus dem Rahmen fällt auch das aggressive und schwer zugängliche „Broken“, das insgesamt dank der treibenden und pumpenden Wirkung aber einen interessanten Kontrast zum sonst eher warmen Sound des Albums darstellt.

Mit ihrem zweiten Album bewiesen Tears For Fears ihr unnachahmliches Talent für atmosphärischen Pop-Sound und herausragende Kompositionen. „Song form the big chair“ zählt – auch dank der exzellenten Singles – zu den führenden Pop-Platten der mittleren Achtziger.

Anspieltipps:

  • Shout
  • Everybody wants to rule the world
  • Head over heels
  • Listen

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