Alex Clare - The Lateness Of The Hour - Cover
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Alex Clare The Lateness Of The Hour


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

DubStep und Soul. Ein gewagtes Experiment, das sein Scheitern eingesteht und trotzdem funktioniert.

Bekannt aus Funk und Fernsehen erfreut sich Alex Clarke einer kapitalistisch ansprechenden Ausgangsposition. Nachdem seine Mischung aus DubStep und Soul in Form von „Too Close“ Millionen von Hörer durch den neuesten Microsoft-Spot beschallt, bringt der gebürtige Londoner zwei Gruppen zueinander, die sich nur mit bedingter Innigkeit lieben. Hipster, die noch auf Indie-Musik schwören, und Electro-Freunde aller Art versammeln sich – in der Theorie – für Clares Mischung aus elektronischer Musik und stimmlich starken Soul.

„Too Close“ und auch der Opener „Up All Night“ sind Vorzeigeprodukte mit Gitarren aus der Indie-Szene, die phasenweise von Beats niedergerungen werden. Diese Beats sind für die DubStep-Szene immer noch hart genug und werden für Einsteiger vom souligen Gesang so zurechtgebügelt, dass beide Parteien mit einem Dauergrinsen auf die Bühne können. Hier und da trickst Clare das System mit Dance und Drum and Bass aus („Treading Water“), doch die Botschaft bleibt stets dieselbe: schaut her! Soul und elektronische Beats für die Clubs können sehr wohl zusammen.

Diese Mischung ist garantiert hip und frisch genug, um den Markt mitzureißen. Clares Ansatz des DubStep ist wie der Alko-Pop des DubSteps, die sanfte Einstiegsdroge, die den Hörer zur härteren Materie überführen soll. Dass der DubStep allerdings immer noch ein Experiment auf Seiten Clares ist, offenbart sich ziemlich schamlos zur Mitte des Albums hin. In „Humming Bird“, Hands Are Clver“ und „Tight Rope“ wird die Elektronik plötzlich ganz leise. Keine Spur von so episch anmutenden Soundwänden wie im Vorzeigetrack „Too Close“. Im Gegensatz zum frischen, neuen Ansatz verschwindet das Album mit einem Schlag in soulig unentschlossener Belanglosigkeit.

Das eigentlich dramatische an diesen Aussetzern in Sachen Electro und DubStep ist allerdings, dass man merkt, wie die meisten Lieder nur mit den Beats unterfüttert wurden und eine bloße Trugwelt der ach so geglückten musikalischen Symbiose sind. Gerade die langsameren Tracks leiden zumindest idealistisch unter diesem Aspekt. Funktionieren tut die Musik natürlich auch weiterhin, wobei die echten Perlen sich in weit rarerer Anzahl präsentieren, als man es auf den ersten Blick gedacht hat. Immerhin ist aber nicht alles auf diesem so fesch anmutenden Album nur Blendwerk und mit einer wenig mehr Übung und Finesse könnte der DubStep immer salonfähiger werden.

Anspieltipps:

  • Too Close
  • Treading Water
  • Up All Night

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