Django Django - Django Django - Cover
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Django Django Django Django


  • Label: Because Music/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Django Django bringen den Hörer aus den letzten Jahrzehnten zurück in die Zukunft – und scheren sich einen Dreck ums Jetzt.

Die schottische Musikszene schafft es immer mal wieder den großen Bruder England daran zu erinnern, dass nicht alles glänzende Pop-Gold nur aus der Heimat der Queen kommt. Mogwai ist da natürlich der Vorreiter und vor nicht allzu langer Zeit haben auch Blakfish Herrschaftsansprüche erhoben. Die Kronanwärter aus Schottland haben allerdings gemeinsam, dass sie selten durch einfache Musik für die Massen glänzen. Da bildet der Vierer „Django Django“ aus Edinburgh keine Ausnahme. Ohne Psychedelic gibt es auf dem selbst betitelten Debüt nämlich weder Rock, noch Pop, noch sonst was.

Verrückter als das bisher dagewesene präsentieren sich die Nachwuchsmusiker jedoch nicht. Einem Album voller Liebe zu hochtrabenden Tönen reiten sie in „Introduction“ entgegen, welches an die Space-Western Abenteuer Muses auf „Black Holes And Revelations“ erinnert. Entgegen dem großen und fein säuberlich produzierten Klanguniversum, das Muse errichtete, behalten Django Django eine Indie-Note bei. Diese erinnert an Bands der Marke MGMT, die sich gerade immer im Gesang einen Kontrast zu feinen Tönen erhalten.

So fällt aufgrund der Mischung aus einer Prise Lo-Fi und Psychedelic gar nicht auf, dass es doch tatsächlich Pop ist, den Django Django propagieren. „Hail Bop“ könnte in sämtlichen letzten Jahrzehnten als Radio-Nummer ausgewiesen werden, wäre da nicht ein dichtes, ungewöhnliches Effektkleid, das vom eigentlichen Kern ablenkt. Mit Voice-Snippets und der angesprochenen Western-Liebe gewinnen sie danach in erster Linie Hipster-Herzen mit „Default“. Wieder ist eine eingängige Melodie so ungewöhnlich verarbeitet, dass der Hörer aus dem Krach erst einmal das einfache Endergebnis herausfiltern muss.

Trotz der immer sehr schlichten Zentren werden sich Feinde psychedelischer Musik nicht so leicht mit dieser gewollten Indie-Mischung anfreunden können. Auch wenn sie nur Stilelemente sind, die in keinerweise das melodische Gerüst in seiner Struktur verändern, ist es selten, dass nicht irgendwo ein Störgeräusch das Lied zu verstecken versucht. Selbst im groovigen „Firewater“ will der schottische Vierer irgendwie mit Überlagerungen und wabernden Hintergründen für eine Ohren herausfordernde Atmosphäre sorgen.

Die Liebe zum Garagen-Sound der 70er macht es Django Django jedoch genauso unmöglich wie MGMT auf ihrem letzten Album die Musik modern tanzbar zu machen. Zu „Storm“ fühlt man sich dazu verpflichtet im Stile der 60er und 70er gekleidet auf der Tanzfläche Klassiker wie den Rock'N'Roll und den Taucher zu reanimieren. Genau dieser altmodische Sound wird andere Hörer umso mehr verzücken, wenn sie nicht nur auf tanzbare Beats aus sind. Die Krönung findet der Blumenkleiderzirkus aus Songs wie „Love's Dart“ und „Life's A Beach“ in der Oriental-Nummer „Skies Over Cairo“, die authentisch an die Anfänge der Synthesizermusik erinnern. Außerdem ist es der Beweis und Mittelfinger dieses Albums gegen Musik, die sich versucht in ein zeit-räumliches Korsett zu stopfen. Sänger und Gitarrist Vincent Neff sagte, dass man Zeit und Optionen im Überfluss hatte. Genug anscheinend, um auf eine ganz eigene Weise die letzten Jahrzehnte zu kombinieren.

Anspieltipps:

  • Hail Bop
  • Default
  • Waveform

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