Storm Corrosion - Storm Corrosion - Cover
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Storm Corrosion Storm Corrosion


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein sehr ruhiges, akustisches Album, das eine ganz spezielle, pessimistische Trägheit auf den Hörer loslässt und mit der Zeit die Sogwirkung eines schwarzen Lochs entwickelt.

Was wurde nicht im Vorfeld über dieses Projekt geschrieben, gesprochen, phantasiert und erwartet. Zunächst hieß es, dass Steven Wilson (Porcupine Tree) und Mikael Akerfeldt (Opeth) zusammen mit Mike Portnoy (ex-Dream Theater, Adrenaline Mob) ein Musikprojekt starten. Alle waren der Überzeugung, dass bei zwei Metallern und einem, der auf den letzten Porcupine Tree Alben auch einiges an Metal eingestreut hat, nur ein Metalprojekt herauskommen kann. Doch dann wurde mit der Zeit Portnoy aus der Gleichung gestrichen, es kam das neue Opeth-Album „Heritage“ und Wilsons „Grace For Drowning“ heraus und die Ausgangssituation wurde bedeutend verändert, um nicht zu sagen auf den Kopf gestellt.

Fangen wir von vorne an. Steven Wilson ist vor einigen Jahren in das Leben von Mikael Akerfeldt getreten und hat, seitdem er als Produzent bei „Blackwater Park“ (2001) und „Damnation“ (2003) mitgewirkt hat, einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Opeth genommen. Die beiden sind gute Freunde geworden, die musikalisch viel gemeinsam haben und sich viel austauschen. Seitdem hat sich Mikael Schritt für Schritt immer mehr getraut seine Faszination für die Musik der 70er, allen voran Prog-, Kraut-Rock und ähnliches in seinen Progressive Death Metal einzubauen, bis er keiner mehr war (siehe „Heritage“). Auch Steven hat sich immer mehr rückbesinnt und den Jazz im ursprünglichen Prog-Rock der 70er (King Crimson) wiederentdeckt (siehe „Grace For Drowning“). Von hier an war es für beide kein großer Schritt mehr diesen Weg fortzuführen.

Storm Corrosion ist somit eine offensichtliche Weiterführung dieser Ideen, noch kompromissloser und losgelöster, frei von jeglichen Konventionen und musikalischen Strukturen und frei vom Ballast an Erwartungen wird hier direkt aus der Seele musiziert, ohne Absprachen, ohne Vorüberlegungen, einfach den natürlichen musikalischen Dialog auf natürliche Art fließen lassen. Dies alles wurde durch den Projektcharakter erst richtig ermöglicht.

In Wahrheit ist Storm Corrosion eher Wind Corrosion. Ein sehr ruhiges, akustisches, langsames und spartanisches Album, das eine ganz spezielle Stimmung vorlebt und auf den Hörer loslässt. Wie ein dunkler Mantel hüllt sie alles in pessimistische Trägheit und Bedrücktheit. Eine weitere Eigenschaft, die beide Musiker fasziniert, offenbart sich ganz besonders, die Gegenüberstellung und Verschmelzung von Schönem und Hässlichem, Konsonanz und Dissonanz. Sanfte Gitarrenpassagen, Glockenspiel und Flötentöne werden dabei von nervösen Streichinstrumenten und tiefen Pianoakkorden überlagert und eine Spannung aufgebaut, die sich ins unerträgliche steigert, aber sich zu keiner Zeit des Albums plötzlich entlädt, eher verpufft sie einfach oder mündet in einem leichten Chaos, dass sich wieder auflöst. (Besonders auffällig ist das zum Ende des Titeltracks.)

Die Musik von Storm Corrosion hört sich trotz der angeblichen 50/50 Verteilung vielmehr nach Steven Wilson als nach Opeth an. Das mag an der Atmosphäre liegen, für die wohl Meister Wilson verantwortlich war. Die Gitarrenparts hat zum größten Teil Akerfeldt übernommen, denn seine Handschrift ist ganz klar zu hören. Schade ist, dass Akerfeldt trotz der besseren Stimme kaum auf dem Album singt, abgesehen von „Drag Ropes“ und einigen hohen Stimmpassagen in „Ljudet Innan“. Diese letzte Stück erinnert irgendwie total an die „Home & Minor“ EP von Oceansize, aber das nur am Rande.

Obwohl die Herren kurz vor der Veröffentlichung nicht müde wurden zu betonen, dass ihre Musik kein Metalprojekt ist, werden viele Hörer trotzdem enttäuscht sein. Wer nicht offen genug ist, oder anders gesagt nicht den nötigen Hang zum avantgardistischen besitzt, schlicht keine zu abgedreht psychedelische Folkmusik verkraftet, der wird dieses Album nicht verstehen. Selbst einige, die bei allen Punkten genickt haben, werden ihre Probleme mit Storm Corrosion haben, wenn sie nach wenigen Umdrehungen aufgeben und nicht die nötige Konzentration mitbringen. Nach der nötigen Einstiegszeit aber entfaltet das Album eine Sogwirkung wie ein schwarzes Loch.

Anspieltipps:

  • Drag Ropes
  • Storm Corrosion
  • Ljudet Innan

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