Petter Carlsen - Clocks Don´t Count - Cover
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Petter Carlsen Clocks Don´t Count


  • Label: Friskt Pust Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Norwegen-Export macht seine Sache so gut, dass er vergisst herausragend zu sein.

Der CD-Markt müht sich weiterhin mit Importen in einer Zeit, in der alles Digital geregelt wird. In seiner Heimat Norwegen ist Petter Carlsen schon fast wieder kalter Kaffee. Ein Jahr nach seinem zweiten Album „Clocks Don't Count“ soll auch der internationale Markt geschwemmt werden. Mit seiner glasklaren, femininen Stimme schafft Carlsen es jedenfalls sein eigenes Markenzeichen zu haben. Aber eine erstaunliche hohe Gesangsstimme reicht nicht aus, um die Sympathien auf seine Seite zu ziehen.

Bevor zu harsche Kritik aufkeimt, überzeugt der Singer/Songwriter allerdings mit Taten. Der melancholische Einstieg „Table For One“ erinnert an die distanzierte Kälte, die schon Kashmir aus Dänemark groß gemacht haben. Mit der rauen Stimme der Gastsängerin Unni Wilhelmsen erzeugt Carlsen einen melodischen Abgrund, der einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Chöre, Streicher und treibende Drums kühlen die Stimmung immer weiter in einer beeindruckenden Weise ab, sodass man nicht genau weiß, ob man sich gut bei diesen Klängen fühlen möchte. Fasziniert ist man allemal.

Der Vergleich mit Kashmir lässt sich gerade in den schnellen Stücken nicht verstecken. Carlsen lebt seinen Hang zur Rockmusik mit kraftvoller Inszenierung aus. „Spirits In Need“ basteln ein Fortissimo aus einer Vielzahl an Instrumenten, die den Hörer in einen kalten Strudel schmeißen. „Intruder“ vom Album „Trespasser“ hätte nicht ähnlicher sein können. Auch „Built To Last“ und „A Simple Reminder“ räkeln sich in der eisigen Sonne Norwegens und nutzen ihr Tempo und ihre Lautstärke nicht, um mitzureißen, sondern Verzweiflung in seiner schönsten Verpackung an den Mann zu bringen.

Dagegen fallen die ruhigen Titel unfairerweise ab. Gerade zum Abschluss gibt es zwei lange Balladen mit „Home“ und „Waiting In The Wings“, die verdeutlichen wie gut Carlsens Stimme allein und nur minimal unterstützt dasteht. Zu oft lässt er sich dann aber doch hinreißen wie in „One Of Those Days“ zu seinen epischen Crescendi anzusetzen. Das kann die ersten zwei bis drei Male zünden, erzeugt aber irgendwann den Effekt, mit dem sich schon Coldplays „X & Y“ herumschlagen musste. Wenn jeder Track sein Heil in der Hymne sucht, geht die Qualität der einzelnen Lieder während dem Hören des Albums einfach unter. Hier und da der Mut zum Minimalismus und Petter Carlsen hätte anstatt einer großartigen Song-Ansammlung auch ein herausragendes Album geschaffen, das dynamisch wie in seiner Material-Qualität einen Hype und Erfolg verdient hätte.

Anspieltipps:

  • Table For One
  • Spirits In Need
  • Waiting In The Wings

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