Architects - Daybreaker - Cover
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Architects Daybreaker


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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10 1 8.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine von Melancholie und Schmerz getränkte Katharsis kann auch ohne Weiteres ein simpler Schlag in die Fresse sein.

Man mag es kaum glauben, aber das Metalcore-Quintett Architects gibt es erst seit 2004. In diesen acht Jahren haben die Herrschaften Samuel Carter (Gesang), Tom Searle (Gitarre), Tim Hillier-Brook (Gitarre), Alex Dean (Bass) und Dan Searle (Schlagzeug) jedoch nicht nur den schmalen Grat zwischen Selbstzerstörung und Selbstverwirklichung beschritten (haben die Jungs bei ihrer straffen Touragenda überhaupt ein Privatleben?), sondern zwischendurch auch ein paar Songs für die Ewigkeit geschrieben, die entweder kompromisslos um sich schlugen („Hollow Crown“ ) oder sanftmütige Carpe Diem-Motive zu Tage förderten („The Here And Now“ ).

Mit „Daybreaker“ folgt nun der erste tiefe Einschnitt in das Songwriting der fünf Briten. Jugendliche Unzufriedenheit und Spaß am Leben als Themenkreise sind Schnee von gestern, ab jetzt geht es um soziale und politische Aspekte. „Mir gefiel die Idee eines Neustarts, nicht nur für unsere Band, sondern für unser kollektives globales Bewusstsein. Überall gibt es Korruption und Ungerechtigkeit; auch wir sind keine Experten, aber wir lernen unaufhörlich. Dieses Album ist der Soundtrack dafür, wie wir versuchen, aus all dem schlau zu werden.“ gibt Gitarrist Tom zu Protokoll. Passend zu dieser textlichen Neuausrichtung gibt sich auch die Musik wieder rauer, ungebundener und freier. Halbballaden („An open letter to myself“) oder Popexkurse („Heartburn“) wie sie noch der Vorgänger versammelte, weichen einem wütendem Rundumschlag, der sowohl dem Metal, als auch dem Hardcore einen ordentlichen Tribut zollt ohne auf den fühl- wie hörbaren Schmerz in den 11 neuen Stücken zu vergessen.

„Wir sind wieder wütend, aber vermutlich sind wir jetzt einfach wütende Erwachsene anstatt wütende Kids“ lautet das treffende Motto für Kompositionen, die mit gefletschten Zähnen („Devil´s island“) und markerschütterndem Geschrei („Even if you win, you´re still a rat“ mit einem Gastauftritt von Oliver Sykes von Bring Me The Horizon) eine neue Stufe der in Musik kanalisierten Aggression und Verzweiflung erreichen. Angesichts dieser rohen Umgangsformen sind blutende Ohren noch das Mindeste, auf das man sich auf „Daybreaker“ freuen darf, denn da z.B. nicht nur „Outsider heart“ subtile Pianosamples oder „The bitter end“ eine süßliche Triangelmelodie beherbergt, stellen besonders diese anfänglich unscheinbaren Details einen ungemein hohen Stellenwert in der intensiven Wirkung auf den Hörer dar und lassen einen Aha-Moment auf den nächsten folgen, sodass eine von dunklen Tönen und Weltuntergangsstimmung getragene Verschnaufpause wie „Behind the throne“ zwar nicht gerade ins Portfolio der Architects, sondern eher zur jüngsten Linkin Park-Evolution, passt, aber dennoch ohne Wenn und Aber willkommen geheißen wird.

Hinter all den kleinen Puzzlesteinchen, den hasserfüllten Screams von Samuel, der barbarischen Wut eines „Alpha omega“ oder den stimmungsvollen Sonnenstrahlen eines „These colours don´t run“ mitsamt traditionellem Breakdown versteckt sich auch der eine oder andere Durchhänger („Feather of lead“, „Daybreak“), wer allerdings einen gänsehaut- und suizidfördernden Ausklang wie „Unbeliever“ aus den Boxen perlen lässt, braucht derartiges Füllmaterial nicht zu fürchten. Die reinigende Wirkung von „Daybreaker“ auf das Schaffen der Architects ist jedenfalls unmissverständlich: Die fünf Engländer sind erwachsen geworden und haben mit sämtlichen Zugeständnissen in der Vergangenheit abgeschlossen. Befreit von jeglichem jugendlichem Trotz legen Carter & Co 1 ½ Jahre nach der nicht zu verachtenden Großtat „The Here And Now“ ihr bisher bissigstes und packendstes Album vor. Jungs, langsam wird es unheimlich!

Anspieltipps:

  • Unbeliever
  • Alpha Omega
  • Outsider Heart
  • Truth, Be Told
  • These Colours Don´t Run

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