Fun. - Some Nights - Cover
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Fun. Some Nights


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Schwülstige Popmusik, die sich nicht zwischen Indie und Mainstream entscheiden kann.

Die Gruppe Fun. (der Punkt darf nicht unterschlagen werden!) ist ein Indie-Pop-Trio aus New York, das vor etwas weniger als drei Jahren sein Debütalbum „Aim And Ignite“ (07/2009) vorlegte, das zwar viel Lob einheimste, aber aus kommerzieller Sicht noch viel Luft nach oben ließ. Trotzdem wurde das Potenzial der Band erkannt, die nun mit einem Label-Deal mit Fueled By Ramen im Vertrieb von Warner Music im Rücken groß auftrumpfen kann.

So wurde der Song „We are young“ (im Duett mit Janelle Monáe) gleich mal an die Industrie verhökert. Dankbarer Abnehmer war der amerikanische Automobilhersteller Chevrolet/General Motors, der das Stück für seinen aktuellen Werbeclip in den Werbepausen des Super Bowl der amerikanischen National Football League (NFL) im Februar 2012 verwendete. Eine bessere Werbung gibt es nicht. Denn alljährlich schauen beim Finale der NFL weit über 100 Millionen Menschen an den Fernsehschirmen zu.

Keine zwei Wochen nach dem Super Bowl stand mit „Some Nights“ das zweite Album von Fun. in den amerikanischen Plattenläden. Allein in der ersten Woche gingen mehr als 70.000 verkauften Einheiten über die Theken und sorgten für einen respektablen dritten Platz in den Billboard Charts. Dort hält sich der Longplayer der Herren Nate Ruess, Jack Antonoff und Andrew Dost, die vorher in den Bands The Format, Anathallo und Steel Train spielten, inzwischen seit 12 Wochen auf.

Warum die Musik von Fun. so gut für Werbespots geeignet ist, fließt auf „Some Nights“ aus allen Poren. Die offensichtlichen Queen-Fans werfen nur so mit klebrigen Melodien und ansteckendem Harmoniegesang um sich, ohne den Charme einer Indie-Produktion aufzugeben, die freilich auf jede Menge High-Tech-Elemente, Autotune und das Dicke-Hose-Verständnis eines Jeff Bhasker (Bruno Mars, Alicia Keys, Kanye West, Beyoncé, Drake, Jay-Z) trifft.

Funs bedingungsloser Drang nach gnadenlos eingängigen Songstrukturen dürfte für den einen oder anderen Indie-Hörer dennoch eine unüberwindbare Hürde darstellen, denn der Weg von Fun. zu Owl City oder Katy Perry ist angesichts einiger Stücke nicht sehr weit. Ein Kinderchor singt „na na na na na na“ („We are young“), ein Akkordeon lädt zum gepflegten Schunkeln ein („Carry on“), Pianoklänge sowie Stadionchöre im Queen-Stil drücken auf die Tränendrüste („Why I am the one“) und verfremdete Stimmen sorgen für Pop-Nerd-Atmosphäre („It gets better“).

Das alles ist fraglos gute Popmusik, die allerdings ständig kurz vor der imaginären „Too Much“-Marke herum trippelt und allein deshalb nicht jedem gefallen wird. Doch am Ende hilft nur eins: selber ausprobieren.

Anspieltipps:

  • Carry on
  • All alright
  • We are young
  • Out on the town
  • Why I am the one

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