Linkin Park - Living Things - Cover
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Linkin Park Living Things


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 35 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Living Things“ hat die künstlerische Sprengkraft eines nassgewordenen China-Böllers.

Viel gewagt, wenig gewonnen: Nach dreijähriger Pause wagten Linkin Park mit ihrem bis dato letzten Studioalbum „A Thousand Suns“ (09/2010) eine stilistische Kurskorrektur und versuchten sich anstatt klassischer Rockmusik an einem Konzeptwerk mit elektronischen Klängen, die mit dem Sound ihrer frühen Erfolgsalben rein gar nichts mehr zu tun hatten. Diese Entscheidung war für die grundsätzlich eh schon sehr experimentierfreudig veranlagte Band auf jeden Fall künstlerisch mutig, doch die Quittung des Publikums folgte an der Kasse: Trotz weltweiter Nummer-Eins-Platzierungen in den Charts, verkaufte sich noch nie ein Linkin-Park-Studioalbum so schlecht wie „A Thousand Suns“.

Da half dann auch nicht mehr der Trick, das Werk mit einer Live-DVD aufgewertet als „A Thousand Suns+“ (04/2011) ein paar Monate später noch einmal auf den Markt zu werfen. Ein klarer Fall von Schnauze voll beim Hörer und Anlass zum Umdenken bei Linkin Park, die sich zwar bis heute keinen Fehler eingestehen wollen und noch immer von „A Thousand Suns“ überzeugt sind, aber dennoch mit dem neuen Studioalbum „Living Things“ einen Bogen zurück in alte Zeiten schlagen wollen, ohne die gerufenen elektronischen Geister aus dem Sound zu verbannen.

Linkin Parks Kunst bestand in den Anfangstagen, zu Beginn der Nullerjahre darin, harte Rocksongs mit extrem poppigen Melodien zu kombinieren, ohne dabei wie eine Hair-Metal-Band im Bon-Jovi-Fieber zu klingen, wofür sich die Amerikaner den schön-doofen Stempel „Nu-Rock“ abholten. Trotzdem konnte sich Millionen Fans auf diesen Sound einigen und stellten neben ihre Heavy-Metal-Platten ganz brav die Linkin-Park-Alben.

Das dürfte dem neutralen Hörer zunehmend schwerer fallen. Denn wie schon für den Vorgänger haben sich Linkin Park wieder Rick Rubin (u.a. Metallica, Slayer, Beastie Boys, Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash) als Produzenten ins Studio geholt, von dem man nie so genau weiß, ob er sich überhaupt mit der Musik der von ihm betreuten Musiker auseinandersetzt oder nur zum guten Tag sagen ins Studio kommt. Doch sei’s wie es ist. Mit oder ohne den langbärtigen Produzenten-Kauz hat das Sextett den Rührbesen angeschmissen, um das Beste aus einer Dekade Linkin Park auf einer Platte unterzubekommen.

So startet der 35 Minuten kurze, ähem, Longplayer nach kurzem Synthesizergeplänkel durchaus packend mit „Lost in the echo“ und „In my remains“ verrät das Händchen für luftige Harmonien, während „Burn it down“ vom Zweiten Deutschen Fernsehen als Erkennungsmelodie für die Fußball EM verhaftet wurde. Damit haben Linkin Park ihre Munition aber auch schon weitgehend verschossen. Denn in den nachfolgenden Stücken wiederholt die Band nur noch ihre bekannte Mixtur aus elektronischen Elementen („Skin to bone“), Rap-Einlagen („Until it breaks“), Breitwandriffs („I’ll be gone“) und HipHop-Beats („Castle of glass“), ohne dass davon großartig etwas hängenbleibt bzw. besonders auffällt. Dazu lassen lediglich „Lies greed misery“ und „Victimized” mal so richtig die Sau raus, während „Roads untraveled“ und „Powerless“ das radioaffine Power-Balladenfach bedienen.

Das war es dann aber auch schon im Staate Dänemark, in dem musikalisch immer noch etwas faul ist, wenn eine Band wie Linkin Park mit einem Album ankommen darf, das die künstlerische Sprengkraft eines nassgewordenen China-Böllers besitzt.

Anspieltipps:

  • Victimized
  • Powerless
  • In my remains
  • Lies greed misery

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