Rush - Clockwork Angels - Cover
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Clockwork Angels


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 66 Minuten
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7/10 Unsere Wertung
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Rückbesinnung heißt das magische Wort bei Rush. Mehr Rock, weniger Prog und leider auch etwas weniger Eingängigkeit.

Sicherlich ist jedem Fan aufgefallen welche Uhrzeit auf dem Cover des Albums Nr. 20 von Rush zu sehen ist. 21:12. Weckt das gewisse Erinnerungen? Fünf Jahre haben uns die Kanadier auf ihr neues Werk warten lassen, und obwohl letztes Jahr bereits zwei Stücke veröffentlich wurden, hat es noch mal ein Jahr bis zur Fertigstellung gedauert. Nun ist „Clockwork Angels“ da, dem ein textliches Konzept zugrunde liegt, dass von einem Jungen handelt, der seinen Träumen durch eine uns fremde farbenfrohe Welt folgt und dabei zwischen Ordnung und Chaos gefangen ist. Die Texte von Schlagzeuger Neil Peart sollen vom befreundeten Autor Kevin J. Anderson zu einer vollständigen Science-Fiction Geschichte ausgebaut werden. Man darf also gespannt sein.

Auf der Musikebene ist „Clockwork Angels“ ein kleiner Rückschritt oder nennen wir es besser Rückbesinnung. Es knüpft besonders an die Phase der Band Ende der 80er Jahre an und erinnert auch etwas an das vorletzte Album „Vapour Trails“ mit wieder deutlich härteren Kompositionen, die mehr Hardrock als Prog-Rock bieten. Für richtige AOR-Musik reicht es aber nicht, dafür fehlen einfache und prägnante Melodien, für richtigen Prog-Rock wiederum mangelt es an ausgebauten, verschachtelten Kompositionen. Der Titeltrack kommt diesen Eigenschaften des Prog als einziger nahe ohne dabei wirklich zu überzeugen.

Das Album ist zweigeteilt, während die erste Hälfte bis „Seven Cities Of Gold“ mit ihren durchdachteren Kompositionen eher schwer zugänglich ist, bietet die zweite deutlich einfachere Kost aus dem Hause Rush. Der Beginn des Albums hat zwar genug Power, aber trotzdem fehlt das gewisse etwas. Ein Song wie „The Wreckers“ aus der zweiten Hälfte verdeutlicht dagegen bestens, wie diese Band anspruchsvollen Rock (inklusive Streichinstrumenten) mit dem Hang zu Melodien verbinden kann. Modern versuchen die Kanadier ab und an auch zu klingen, denn die Riffs von Alex Lifeson in „Headlong Flight“ erinnern teilweise schon an die Foo Fighters. Ein wirkliches Kunststück ist Ihnen mit dem abschliessenden „The Garden“ gelungen, das akustisch balladesk beginnt und sich gefühlvoll mit Streichern, Piano und Gitarrenklängen weiter entwickelt. Eine klasse Ballade.

Das Bassspiel von Geddy Lee ist wie üblich grandios vielseitig, wurde diesmal aber auch mehr in den Vordergrund gemischt, so dass man besser staunen und bewundern kann. Geddys Stimme macht dafür nicht mehr jede Tonhöhe problemlos mit, was auch nichts Neues ist, aber der 58-jährige hat dies langsam eingesehen und seinen Gesang etwas angepasst. Er wirkt nun nicht mehr so heulend und wehklagend. Eine langsamere, gediegenere Gesangsart, wie sie der Kanadier in Balladen anwendet, kommt seiner aktuellen stimmlichen Verfassung noch am besten entgegen. Zu Pearts Schlagzeugspiel braucht nicht viel gesagt werden, der Mann ist einfach eine Institution.

Das zwanzigste Werk von Rush fungiert als eine Einheit, was bestimmt zum großen Teil an der modernen, druckvollen Produktion liegt, die den Instrumenten ruhig etwas mehr Luft hätte lassen können. Es bietet zwar keine besonders aufgefallene Kost, aber doch genügend Abwechslung. Der geneigte Hörer wird sich schon fragen, wieso die Kanadier ganze fünf Jahre gebraucht haben um dieses Album aufzunehmen. „Clockwork Angels“ reicht bei weitem nicht an den tollen Vorgänger „ Snakes And Arrows“ heran, auf dem gerade die akustischen Elemente so viel frischen Wind hereingebracht haben. Ein gutes Album ist es, ja, aber bei all den grandiosen Alben der Vergangenheit ist es nicht ganz einfach mitzuhalten.

Anspieltipps:

  • The Wreckers
  • The Garden
  • The Anarchist

Dieser Artikel ging am um 12:07 Uhr online.
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