Candlemass - Psalms For The Dead - Cover
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Candlemass Psalms For The Dead


  • Label: Napalm Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein alter Hund lernt neue Tricks und verkriecht sich zur Belohnung wieder in seine Hütte.

Messiah Marcolin war trotz seines unvergleichlichen Gesangs lange Zeit ein Unruhestifter und Sargnagel für die Weiterentwicklung von Candlemass. Als das Ein- und Ausstiegskasperltheater nach der Veröffentlichung von „Candlemass“ (05/2005) endgültig vorbei war und mit Robert Lowe der texanischen Solitude Aeturnus ein veritabler Nachfolger besetzt wurde, dachte man beim schwedischen Doomgespann wären endlich ruhige Zeiten eingekehrt, schließlich bestätigten die beiden hervorragenden Alben „King Of The Grey Islands“ (06/2007) und „Death Magic Doom“ (04/2009) diesen Eindruck und erweckten Hoffnung auf eine lange und fruchtbare Zusammenarbeit. Mit der Veröffentlichung von „Psalms For The Dead“ ist diese Wunschvorstellung jedoch wieder dahin: Zuallererst kündigte Vorstand Leif Edling an, Candlemass würde sich in Zukunft auf Konzerte statt auf eine Ausweitung der Diskographie beschränken und nun verließ zusätzlich Lowe Anfang Juni die Band. Als Nachfolger steht zwar Mats Leven (Therion, At Vance, Krux) in den Startlöchern, eine rosige Zukunft sieht für die Fans der Band aber sicherlich anders aus.

Passend zum aktuellen Werdegang von Candlemass ist auch „Psalms For The Dead“, das mittlerweile 11. Studioalbum, nichts Halbes und nichts Ganzes geworden. Lowe legt sich zwar eindrucksvoll ein letztes Mal auf die Streckbank und changiert zwischen gequälter Seele und bissigem Melancholiker, die neun Songs spiegeln diese Hingabe jedoch nicht immer wieder. Es herrscht nach wie vor eine bedrückende und schwüle Atmosphäre, die ihresgleichen sucht, dennoch verpacken Edling & Co. sie meist in altbekannte Strukturen, die einmal mehr den Urvätern Black Sabbath huldigen. „Waterwitch“ spielt z.B. ungeniert mit dem dunklen Erbe des Titeltracks des Debütalbums der damaligen Ozzy Osbourne-Truppe, „Killing of the sun“ baut sich um ein „Iron man“-Gedächtnisriff auf und „Sound of dying demons“ ist schlicht und ergreifend ein tonnenschwerer, aber bereits viel zu oft vernommener Doom-Standardtrack.

Auf der Habenseite stehen dafür durchdachte Uptemponummern wie das dynamische „Prophet“, der dunkle und mit bedrohlichen Synthies angereicherte Brocken „Lights of Thebe“, das knackig-kurze „Dancing in the temple (of the mad queen bee)“ oder der mit grandioser Melodie ausgestattete Titeltrack, die sich sofort als gnadenloser Ohrwurm in die Gehirnwindungen fressen, im Hinblick auf vergangene Großtaten aber eher als kleines Soundupdate zu verstehen sind. Als reine Geschmackssache entpuppt sich hingegen „Black as time“, welches, abgesehen vom gleichen Rhythmus wie „Prophet“, mit einem 1 ½ minütigen Spoken Word-Intro und anschließend stampfender Durchschnittskost ziemlich an den Nerven zerrt. Innovativ, überraschend sowie durch und durch genial ist dafür der ungeschlagene Höhepunkt von „Psalms For The Dead“ namens „Siren song“. Hier übernimmt eine Hammond Orgel in bester Deep Purple-Manier die Hauptrolle und schmeißt damit kurzerhand 40 Jahre Doom Metal-Tradition in 5:57 Minuten über den Haufen, womit bewiesen sein dürfte, das nicht immer der Bass oder die Gitarre die bestimmenden Elemente im Genre der Verdammten sein müssen.

„Quo vadis, Candlemass?“ fragt man sich angesichts der jüngsten Entwicklungen besorgt, versteht nach einem Werk wie „Psalms For The Dead“ allerdings die Intention von Edling sich erst einmal auf das Leben im Tourbus zu beschränken, immerhin scheint die Kreativität mit Ausnahme des sich fulminant aufbäumenden „Siren song“ wirklich zum Erliegen gekommen zu sein. Wer weiß, vielleicht schöpfen die Schweden mit Mats Leven auf Tour schneller Kraft als gedacht und legen früher eine neue Platte vor als man „Messiah“ sagen kann? Schließlich kann man sich bei Candlemass nie wirklich sicher sein.

Anspieltipps:

  • Prophet
  • Siren Song
  • Psalms For The Dead

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