Fear Factory - The Industrialist - Cover
Große Ansicht

Fear Factory The Industrialist


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Metal nach Fear Factory Standardvorschrift. Cazares sind die Ideen für Riffs ausgegangen, Bell die Gesangsmelodien abhandengekommen und der Schlagzeuger ist ganz verschwunden.

Mensch gegen Maschine ist seit jeher die Hauptthematik von Fear Factory. Die Maschinen entwickeln sich seit dem Debütwerk „Soul Of A New Machine“ immer weiter, werden intelligenter, entwickeln eine Seele, machen den Menschen überflüssig und werden schließlich auf dem neuesten Werk der Amerikaner selbst zu Menschen. Diese Transformation ist das Konzept hinter „The Industrialist“, dem zweiten Werk seit der Rückkehr von Riffmeister Dino Cazares. Die Besatzung von Fear Factory hat sich in der Zwischenzeit übrigens wieder geändert. Nach dem kuriosen Rausschmiss zweier Mitglieder der Urbesetzung (Wolbers und Herrera) und dem gerichtlichen Streit um den Namen, hat die zwischenzeitliche Rhythmusabteilung (Stroud und Hoglan) auch das Weite gesucht. Es verdichtet sich die Vermutung, dass die beiden Protagonsiten der Band, Dino Cazares an der Gitarre und Burton C. Bell am Mikrofon, nicht ganz so umgängliche Genossen sind. Im Endeffekt ist nicht ganz klar, wer außer den beiden nun wirklich zur Band zugehört und wer nur loses Beiwerk ist.

Im Gegensatz zur Thematik der Texte entwickelt sich bei Fear Factory musikalisch nichts. Null Problemo sollte man meinen, wenn die Songs ein gewisses Niveau erfüllen. Nun, der Beginn des Albums stimmt einen noch optimistisch, auch wenn der Titeltrack gar keinen Refrain hat. Spätestens bei „Recharger“ ist die typische Mischung aus Stakkato-Riffs, schnellem Tempo und dem wechselnden Gesang zwischen aggressiv kurzen und melodisch langen Passagen, die diese Band ausgemacht und auch von ihr erwartet wird, allgegenwärtig. Mit fortschreitender Minutenzahl folgt aber eine gewisse Ernüchterung, denn es finden sich keine überzeugenden Melodien, geschweige denn Hits oder richtige Kracher, lediglich Metal nach Fear Factory Standardvorschrift. Obendrein servieren die Amis mit den letzten beiden Stücken sehr seltsame, instrumentale elf Minuten, wobei besonders „Human Augmentation“ lediglich eine Ansammlung von Maschinengeräuschen und anderem industriellen Geplänkel ist, das sich ambientartig über neun Minuten dahin zieht.

Ein weiteres Problem: Zum ersten Mal hat Fear Factory auf die Dienste eines richtigen Schlagzeugers verzichtet. Wirklich überraschend ist es nicht, dass die programmierten Schlagzeugparts zunächst nicht wirklich auffallen, erst nach einigen Durchläufen wird der klinische Klang bewusst. Zum einen liegt das natürlich an der sehr maschinellen, abgehackten und kalten Musik, die den Industrial Metal von Fear Factory ausmacht, aber auch an dem ehemaligen Übertrommler Herrera, der in den 90er Jahren wie eine Maschine das Schlagzeug bearbeitet hat. Somit ist er (und sein Nachfolger Hoglan) zum Opfer der eigenen Thematik geworden – man versus machine. Die Maschine hat den Trommler ersetzt, traurig und gleichzeitig konsequent.

Der Vorgänger „Mechanize“ war zwar nicht ganz so düster, beinhaltete aber noch deutliche Death Metal Einflüsse, mehr Tempo und auch mehr Durchschlagskraft, die eine Hoffnung geschürt haben, dass diese Band noch an die alten erfolgreichen Taten anknüpfen könnte. Dem ist leider nicht so, denn „The Industrialist” ist eine schwächere Variante des Vorgängers, auf der Cazares die Ideen für Riffs ausgegangen, Bell die Gesangsmelodien abhandengekommen sind und der Schlagzeuger ganz verschwunden ist. Jetzt bleibt den beiden Protagonisten nichts anderes übrig als sich selbst weg zu rationalisieren, durch Maschinen zu ersetzen und zum Abschluss ein reines Industrial-Elektronik-Album aufzunehmen.

Anspieltipps:

  • Recharger
  • Virus Of Faith
  • The Industrialist

Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
Diskutiere über „Fear Factory“
comments powered by Disqus