The Gaslight Anthem - Handwritten - Cover
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The Gaslight Anthem Handwritten


  • Label: Mercury/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit neuem Album beim neuen Plattenlabel knüpfen die Jungs aus New Jersey trotz aller vorangegangener Zweifel mühelos an ihren erfolgreichen Stil an.

The Gaslight Anthem sind groß geworden. Das zeigt nicht nur der Wechsel zum Major-Plattenlabel Universal. Am Besten sieht man es vermutlich daran, dass in den letzten Monaten weniger das kommende Album für Schlagzeilen sorgte, als vielmehr von der Musik gänzlich unabhängige Aussagen des Frontmanns in Bezug auf seine Religion. Hat sich Brian Fallon doch tatsächlich als Kreationist geoutet. Während das selbst im christlichen Amerika in gewissen Kreisen als Skandal beschimpft wurde und man vereinzelt Kaufboykotte plante, versuchen wir in Deutschland erst einmal zurückzurudern. Staat und Kirche sind hierzulande zwar nicht getrennt, doch Musik und Kirche können es sein. Und das ist – so paradox es scheinen mag – auch auf dem neuen Album der Jungs aus New Jersey der Fall: Kein Wort von Gott, aber viel von der Welt.

„Handwritten“ entstand buchstäblich von Hand und auch auf echtem Papier. Laut eigenen Angaben kritzelte Brian Fallon über Monate hinweg Seiten mit Gedanken und Eindrücken voll, fast wie in einem Tagebuch. Entstanden sind Songs, die vom Leben erzählen. Während das auch bereits auf früheren Alben der Fall war, spürt man die Authentizität des Gesungenen auch auf diesem wieder deutlich. Die erste Singleauskopplung „45“ beginnt mit der typischen Kraft, die The Gaslight Anthem ausmacht und die ihnen durch Fallons Stimme verliehen wird. „In these times of doing what you're told“, singt er, „you keep these feelings, no one knows“. Während „45“ schon alleine vom Namen an eines der Vorgänger-Alben und die gleichnamige Single „'59 Sound“ erinnert, lässt sich schnell eine weitere Parallele ziehen: hitverdächtig.

Auch der Titeltrack des Albums ist typisch für The Gaslight Anthem: Kein herausstechender Refrain, aber Gitarren, die darauf hinleiten. Kaum offensichtliche Versuche, die gewohnte Pop-Eingängigkeit zu erschaffen, dafür kleine Highlights in jedem Song, das ist es, was die Band sympathisch macht. „Too Much Blood“ setzt in der Mitte der Platte auf noch mehr harte Gitarren, bevor „Howl“ wieder zur fast-fröhlichen Schnelligkeit und dem bestechenden Rhythmus lenkt. Erst mit dem letzten Stück, „National Anthem“, kehrt echte Ruhe ein. Ein schöner Abschluss eines Werkes, das alle Facetten der Rockband entfaltet.

2005 gegründet, bahnte sich die Gruppe langsam aber sicher ihren Weg in die Herzen der Rockfans. Zwischen dem ersten Werk, „Sink or Swim“ und dem nun erschienen vierten Album durchwanderten sie zwar verschiedene Einflüsse, die mal mehr und mal weniger zwischen Rock'n'Roll, Punk und Folk wechselten. Neben der persönlichen Note durch die privaten Lyrics hat sich jedoch vor allem ein Stil(mittel) in allen vier Werken durchgesetzt: Die unangefochtene Bekenntnis der Band zu ihrem Vorbild Bruce Springsteen. Am Deutlichsten zu hören ist das auf „Handwritten“ gegen Ende der Platte, im ruhigen, aber schönen „Mae“.

Und das bringt uns auch zum wesentlichen Punkt, sieht man sich die Geschichte der Band und ihre Musik an. Sie ist eine Hommage an „den Boss“, der im vergangenen Jahr sogar mit seinen Jünglingen rund um Brian Fallon gemeinsam auf der Bühne stand. Er findet sich nicht nur im Klang der Musik und damit zwischen, sondern – mit Verweisen – auch in den Zeilen wieder. Das soll keineswegs bedeuten, dass „Handwritten“ abgekupfert klingt. Denn The Gaslight Anthem zeichnen sich trotz allem durch ihre ganz eigene Spezialität aus: einer Eingängigkeit ihres Gesamtwerkes, die der Hörer nur unterbewusst aufnimmt. Dadurch bleibt die Musik im Kopf, ohne auf Dauer zu nerven. Wenn überhaupt, erinnert das neue Album damit an seine Vorgänger: Zurecht! Der Erfolg bleibt bestimmt auch diesmal nicht aus.

Anspieltipps:

  • “45”
  • Handwritten
  • Here Comes My Man
  • Mae

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