Baroness - Yellow & Green - Cover
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Baroness Yellow & Green


  • Label: Relapse Records
  • Laufzeit: 77 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sludge goes Pop/Rock. Ein polarisierendes Doppelalbum, das zunächst enttäuscht und am Ende doch zufrieden stimmt.

Schon seltsam dieses Doppelalbum von Baroness. Soll und Ist liegen bei „Yellow & Green“ dermaßen auseinander, am liebsten würde man das Album nach dem ersten Hören schnell bei eBay reinstellen und verkaufen solange der Preis noch hoch ist und sich die Enttäuschung noch nicht wie ein Flächenbrand über Deutschland ausgebreitet hat. Nun ja, so ist das manchmal mit eigenen Erwartungen und Vorstellungen, sie können einem den Hörgenuss mächtig verhageln. Schafft es der Hörer aber dieses selbst aufgelegte Korsett für Baroness aufzuschnüren und beiseite zu befördern, wird sich nach und nach eine ganz andere Meinung von „Yellow & Green“ einstellen. Dafür, so doof das auch klingt, muss das Album schön gehört werden.

Kommen wir zu den Gründen für diese Anfangsproblematik. Es ist erstaunlich wie weit weg es die Amerikaner musikalisch getrieben hat. Kaum zu glauben, dass diese Band aus Savannah, Georgia zum Sludge Metal hinzugehört hat, denn auf ihrem dritten Album haben sie sich in deutlich ruhigere Gefilde getraut. Peanuts, sagt jetzt der ein oder andere. Stimmt, aber das ist nur der Anfang, denn wer hätte gedacht, dass Frontmann Baizley mit dem Schreigesang aufhört und urplötzlich ganz sauber Melodien intoniert, die so offensichtlich sind wie das Amen in der Kirche. Am liebsten möchte man den Jungs die pure Kommerzialisierung vorwerfen, aber das wäre völliger Nonsens in Anbetracht des Klangs, der Musik, der Covergestaltung (siehe Coverstory), des ganzen Herzbluts, das hier in diese Aufnahmen geflossen ist. Die Stimme Baizleys ist aber mehr als gewöhnungsbedürftig und in einigen Fällen sogar etwas grausam.

Die Kollegen von Mastodon, die ebenfalls aus dem Staate Georgia stammen, haben auch eine Entwicklung hin zur eingängigeren Metalmusik genommen, aber die Transformation von Baroness hat eine ganz andere Qualität. Der Sound und die Art haben immer noch dieses dreckige Südstaatenimage, diese gewisse Melange aus Sludge und Stoner, aber in einem völlig neuen, einzigartigen Gewand voller Emotionen, Melodien und dieser psychedelisch anmutenden Atmosphäre. Viele Fans der ersten Stunde werden vielleicht nichts mit dem neuen Baroness-Sound anzufangen wissen, aber Standard-Sludgemetal Bands gibt es mehr als genug da draußen. Das hat sich wohl auch Mastermind Baizley gedacht und genau wie bei seinen Bildern noch mehr auf die innere Stimme gehört, die diese fragileren und melodischeren Klanggebilde zu Tage gefördert hat, die fernab von Standards in musikalisch spannenden Konstrukten verbaut sind.

Die beiden CDs des Doppelalbums gehören musikalisch ganz klar zueinander, wurden aber sehr sorgfältig aufgeteilt und mit einem ähnlichen Aufbau versehen. Vielleicht um dem Hörer mit 77 Minuten Musik nicht zu viel auf einmal zuzumuten (wie es auch Steven Wilson auf Grace For Drowning gemacht hat), wahrscheinlich aber auch im Hinblick auf die Veröffentlichung auf Vinyl. Dennoch entgehen einem gewisse Nuancen nicht, denn „Yellow“ ist noch teilweise rebellisch und energisch, während „Green“ ruhiger, harmonischer und ausgeglichener klingt.

„Yellow & Green“ dürfte heiß diskutiert werden und für viele Kontroversen sorgen, was Baroness eigentlich nur recht sein kann, denn wenn eine Band eins vermeiden will, dann ein Album aufzunehmen, an dem die Hörer von jeglichen Gefühlen befreit vorbeigehen. Das wird auf keinen Fall passieren, denn „Yellow & Green“ ist ein Album mit so vielen Ecken und Kanten, das man eine gewisse Hassliebe dazu aufbaut. Einiges nervt einen so richtig an und trotzdem möchte man es immer wieder hören und neu entdecken, wobei auch das Urteil mit jedem Mal schwankt. Es gibt tolle Alben, die trotzdem im Regal verstauben und es gibt welche wie dieses, das nicht perfekt ist aber sicherlich nicht so schnell im Regal verschwinden wird.

Anspieltipps:

  • Cocainium
  • Sea Lungs
  • Eula
  • Board Up The House
  • MTNS. (The Crown & Anchor)

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