Sigur Rós - Valtari - Cover
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Sigur Rós Valtari


  • Label: Parlophone/EMI
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die selbstauferlegte Pause ist vorbei: Die isländische Band Sigur Ros veröffentlicht nach vier Jahren mit „Valtari“ ihr sechstes Studioalbum.

Übersetzt bedeutet „Valtari“ „Dampfwalze“ und in gewisser Weise wird das Album dem auch gerecht. Zwar sparen sich Sigur Ros ein zerschmetterndes lautes Rumpeln und Heranrollen, doch brechen die zarten Klänge wahrhaftig wie eine Walze auf den Hörer ein. Heimlich, still und leise schleichen sich Jonsis chorale Gesänge, gemischt mit atmosphärischen Tönen an den Hörer heran und fräsen sich wie ein lautloses Feuerwerk in die Gehörgänge. Jón Pór Birgisson (Gesang, Gitarre), Georg Holm (Bass), Kjartan Sveinsson (Keyboard, Piano) und Orri Páll Dyrason (Schlagzeug) bezeichnen ihr neues Werk, passend dazu als „Lawine in Zeitlupe“. Das Album ist keine Platte für den Hintergrund und nebenbei ist es kaum möglich sich darauf einzulassen.

Frontmann Jonsi ging während der letzten Jahre eigene Wege: Gemeinsam mit seinem Partner Alex veröffentlichte er die Platte „Riceboy Sleeps“, produzierte den Soundtrack zu „Wir kaufen einen Zoo“ und schlug mit seinem Soloalbum „Go“ überraschend bunte Pop-Töne an. Von schrillen und bunten Farben, ist auf dem neuen Sigur-Ros-Album jedoch nicht viel zu hören, denn „Valtari“ ist sehr atmosphärisch. Obwohl das gesamte Album aus nur acht Tracks besteht, umfasst es eine Gesamtlänge von 54 Minuten. Die einzelnen Titel nehmen sich Zeit und gehen in vollkommen ungezwungene Längen. Sekunden über Sekunden verbleibt nur ein leises Knirschen, Kratzen oder Summen zu hören, was vor allem Nicht-Fans der Band vermutlich in den Wahnsinn treiben dürfte. „Varúo“ ist voll von eindringliche Steigerungen, die dem Hörer minutiöse Höhepunkte bescheren und „Dauoalogn“ trägt die zarte Stimme des Sängers Jonsi auf tiefschwarzer Zuckerwatte durch unendliche Ambient-Sphären.

Im Vergleich zu ihrem letzten Album „Med Sud I Eyrum Vid Spilum End“ (2008) ist „Valtari“ weniger greifbar und wird nicht jeden Hörer sofort begeistern. Es ist zum Teil nicht ganz einfach in den einzelnen Titeln Strukturen auszumachen, doch genau das macht das Album und auch die Band selbst aus. Sigur Ros präsentieren ihr Comeback frei und losgelöst von Formalitäten. Während das letzte Album und auch die Solopfade von Jonsi beinahe vermuten ließen, dass die Band sich auf die Jagd nach Chartsplatzierungen zu machen scheint, zerschlägt „Valtari“ diese Vermutungen bzw. überrollt sie wie eine Dampfwalze.

„Valtari“ ist ein Glaubensbekenntnis an die eigene Band. Sigur Ros sind wieder zurück und auch ihr sechstes Album ist „irgendwie speziell“. Nicht jeder Musikliebhaber wird seine Freude an diesem Werk haben, obwohl es durchaus einen Versuch wert ist.

Anspieltipps:

  • Varúo
  • Dauoalogn

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