Karin Park - Highwire Poetry - Cover
Große Ansicht

Karin Park Highwire Poetry


  • Label: State Of The Eye Recordings
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

An: Karin Park. Betreff: Dein neues, sehr individuelles Album...

Liebe Karin Park,

das ist mir jetzt alles ein bisschen unangenehm. Du weißt, ich liebe dich. Dich und dein großartiges Talent, deine engelsgleiche Stimme, dein Style ist – wow – du bist so schön. Wir Schwedinnen müssen ja zusammenhalten. Aber was genug ist, ist genug.

Seit zwei Monaten kann ich mich vor neuen Nachrichten bei Facebook, MySpace und Twitter gar nicht mehr retten. Im Minutentakt schreiben mir Leute, wie toll mein neues Album sei. „Thousand Loaded Guns“ wäre der absolute Hit, dank „Tiger Dreams“ hätten sie eine ganz neue Seite an mir entdeckt. Fever Ray sei endlich zurück! Yippie! Das ist verwirrend. Ich habe kein neues Album veröffentlicht, ich würde nie einen Song schreiben, der sich mit Träumen von Tigern auseinandersetzt. Also, ganz ehrlich, bitte. Ich bin viel zu beschäftigt damit, neue Waxmasken für die nächste P3 Gold-Verleihung zu formen. Diese Unruhe bereitete mir so einige schlaflose Nächte, also habe ich mich dazu durchgerungen, ein bisschen im Internet zu recherchieren. Und, huch, was sah ich da? Meine liebe Kollegin Karin Park hat eine neue Platte am Start. Und, aha, was hörte ich da? Die Lieder klingen ja alle irgendwie nach The Knife. Oder Fever Ray. Jedenfalls geht das nicht, Karin! Ich habe gestern einen Anruf von Björk bekommen. Die Arme war ganz aufgelöst, vollkommen hysterisch und außer sich, zehn Minuten hat sie geheult, bis ich sie einigermaßen beruhigen konnte. Da sei eine Bekloppte im Business, die sie kopiere, sie systematisch fertig machen wolle, schrie sie. Ich sagte ihr natürlich, dass du das alles nicht böse meintest, sich aber einige stilistische Parallelen ziehen ließen und nicht zu leugnen wären.

Ich weiß, dass es dich verletzt, so etwas zu lesen. Schließlich steckt in „Highwire Poetry“ dein ganzes Herz, deine Vergangenheit, deine Gegenwart und am meisten deine Zukunft. Und, ich muss gestehen, für Songs wie „Tension“ würde ich töten. Dieses Lied ist ein Geniestreich. Musikalisch zumindest. Die Instrumentalisierung ist so dezent und doch so wuchtig, mir bleibt nichts anderes übrig, als zu tanzen, die Arme in die Luft zu heben und zu schreien: „Vergessen wir den Streit!“ Lyrisch hättest du dich noch ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnen können, zweifelsohne, aber es passt. Zu dir, zu mir, zu dem Titel, zu dem Rest des Albums. Aber darin liegt halt auch das Problem. Es passt zu gut. Wenn dein Album im Hintergrund läuft, erinnere ich mich im Nachhinein nur an ebendiese süße Elektroperle, das treibende „Explosions“ und das Indieclub-taugliche „Thousand Loaded Guns“. Der Rest verschwindet in der Whatever-Schublade, verstaubt zwischen dem letzten Björk-Album und deinem Debüt. Und obwohl „Highwire Poetry“ ein hervorragend produziertes Stück Musik ist, bleibt am Ende nicht viel, außer der Erkenntnis, dass du es besser kannst, wie du auf dem Vorgänger „Ashes To Gold“ bereits bewiesen hast.

Also, Mäuschen: Beim nächsten Mal bitte wieder mehr Karin Park und ein bisschen weniger Fever Ray. Versprochen? Ich werde jetzt noch schnell Christoffer Berg anrufen und ihm klarmachen, dass er sich etwas mehr Mühe geben sollte, die Individualität der einzelnen Künstler, die er produziert, zu wahren. Sonst wird auch Lykke Li irgendwann so klingen wie wir.

Liebe Grüße,
Karin Dreijer Andersson alias Fever Ray

PS: Bitte entschuldige dich noch bei Björk, sonst nehmen mein Bruder und ich dich nie wieder mit auf Tour!

Anspieltipps:

  • Tension
  • Explosions
  • Thousand Loaded Guns

Neue Kritiken im Genre „Pop“
Diskutiere über „Karin Park“
comments powered by Disqus