Frankie Chavez - Family Tree - Cover
Große Ansicht

Frankie Chavez Family Tree


  • Label: Search Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Frankie Chavez hat den Blues, umweht von Folk, Rock und einem Windhauch Psychedelik.

Der Blues in Portugal hört eigentlich auf den Namen Fado, ein Musikstil, in den die Portugiesen ihren ganzen Weltschmerz, den sie „Saudade“ bezeichnen, einfließen lassen. Umso erstaunlicher, dass nun der Portugiese Frankie Chavez dem amerikanischen Blues eine Frischzellenkur verpasst, wie man es bis dato nur von Chris Whitley oder Rainer Ptacek kannte. Jene Blues-Erneuerer haben längst das Zeitliche gesegnet und so war es in den vergangenen Jahren vor allem Otis Taylor, der dem Genre neue Nuancen, Lebendigkeit und Vitalität hinzufügen konnte. Auf mehr oder weniger andere Weise obliegt dies nun auch Frankie Chavez.

Chavez spielt Slide Gitarre, Lap Steel und portugiesische Gitarre, die einen birnenförmigen Korpus aus Holz und 12 Stahlsaiten hat. Der portugiesische Einfluss, jener Fado, bleibt also nicht ganz außen vor, wird jedoch als dezentes, kaum wahrnehmbares Klangelement eingesetzt. Frankie Chavez debütierte 2010 mit einer titellosen EP, die sechs Songs enthält und einen ersten Entwurf seiner Vision des Blues preisgab.

Auf seinem ersten Album „Family Tree“ hat er sein Konzept weitergeführt, ist noch mehr aus sich herausgegangen und hat neben zehn Eigenkompositionen zwei Coverversionen eingespielt. Den alten Robert Johnson Klassiker „I Believe I’ll Dust My Broom“ sowie den Titel „Hey“, den Black Francis für das Pixies Album „Doolittle“ komponiert hat. Chavez gelingt es diese unterschiedlichen Stücke seiner Vision zu unterwerfen, wobei er „Dust My Broom“ einen psychedelischen Anstrich verpasst und „Hey“ gemeinsam mit der Stimme von Emmy Curl geschickt zwischen Folk und Rock pendeln lässt.

Zum Start des Albums ist auf dem „Airport Blues“ Vinyl Knistern zu hören, danach Stimme und Gitarre, die Grundausrüstung des ganzen Albums, das mit „Old Habit“ und „Dreams Of A Rebel“ in die Vollen des melodiösen Blues-Rock geht. Dagegen sind „Another Day“ und der Titelsong am weitesten vom Blues entfernt und kommen als luftiger Folk-Pop daher. Bei diesen leiseren Songs tritt Chavez‘ helle Stimme noch etwas mehr ins Zentrum des Geschehens, was auch für die dem akustischen Blues zugewandten „Whatever It Takes“, „Ode To J“ und „December 21st 2012“ gilt. Auf dem instrumentalen „The Calling“ kann jener dezente portugiesische Einfluss herausgehört werden, dagegen polarisiert „The Devil Song“ mit Laut-Leise-Passagen.

„Family Tree“ überzeugt durch virtuoses Gitarrenspiel, vielfältige Einflüsse, stimmige Kompositionen, transparente Produktion und einem ansprechenden Digipak, in dem die Disc steckt. Frankie Chavez hat den Blues und durch seine geöffneten Fenster wehen Folk, Rock und ein Windhauch Psychedelik. Gut gemacht!

Anspieltipps:

  • Airport Blues
  • I Believe I’ll Dust My Broom
  • Family Tree
  • Hey

Neue Kritiken im Genre „Blues“
Diskutiere über „Frankie Chavez“
comments powered by Disqus