Orph - Poems For Kui - Cover
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Orph Poems For Kui


  • Label: Devilduck/INDIGO
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Orphsche Klangwelten aus Poesie, Fantasie, Mythologie und Romantik.

Wer ruft in Zeiten von Retro noch nach Eigenständigkeit und Innovation? Kaum mehr einer, um so erfreulicher, dass ausgerechnet eine Band aus Weimar für diese Begriffe steht. Orph sind vier Männer, die mit „Poems For Kui“ eines der interessantesten Debüts des Jahres vorlegen. Ob es ein Konzeptalbum ist? Tatsache ist, dass es 15 Songs sind, die mit unsichtbaren Fäden miteinander verbunden sind. Wie es zum Bandnamen kam, wissen selbst die Protagonisten nicht mehr. Selbst der Albumtitel birgt sein Geheimnis. Kui nannte Marco De Haunt ganz spontan einen Holzschnitt-Vogel auf einer Postkarte aus Neuseeland. Auf der Bühne tragen sie Gewänder im Stile der Romantik oder des Barock. Sagt dies etwas über ihre Musik aus? Ja und nein, doch der Reihe nach.

Die Instrumentierung des Albums fällt großzügig aus, neben Gesang, Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen Streicher, Bläser, Piano und Electro-Elemente zum Einsatz. Im Verbund mit den Texten erschaffen sie mythische Welten, die aus persönlichen Wahrnehmungen und Fantasien gespeist sind. Dementsprechend sind die Songs äußerst fantasievoll komponiert, verzichten dabei aber auf jeglichen Fantasy-Kitsch. Ihre Theatralik ist immer geerdet, keinerlei Prog-Elemente und keine Kunstbeflissenheit stecken in ihren dennoch kunstvollen Kompositionen. So entsteht ein musikalisches Kaleidoskop aus Poesie und Klängen, das im Zuhörer eine ganz eigenartige Stimmung erzeugt. Ein Sog entsteht, eine Reise, die droht in eine Odyssee abzudriften oder zum drogenfreien Trip, der einem die eigene Welt in anderen Perspektiven vor Augen führt. Die Innenwelt spiegelt sich in der Außenwelt, Naturbilder geben Emotionen wieder.

Der erste Hördurchgang lässt einen noch etwas ratlos zurück, doch spätestens beim dritten weicht die Befremdlichkeit einer neuen, vertrauten Gewohnheit, die dazu führt, dass „Poems For Kui“ wieder und wieder ge- und erhört werden will. Vergleichbar sind Orph mit keiner anderen Band, lediglich einzelne Elemente setzen Assoziationen frei, wenn z.B. die Stromgitarren auf „Eight Hundred Miles“ nach The Clash klingen, die dann von majestätischen Folk-Violinen aufgesogen werden. Auf „Morgue – Die Unbekannte aus der Seine“ lassen Stimme und Piano kurzweilig an Supertramp minus Mainstreamgehabe denken und der Kinderchor auf „Laura“ an Pink Floyds „Another Brick In The Wall“; dies sind jedoch nur aufflackernde Blitze, die nur wenig über den Gesamteindruck der orphschen Klangwelt aussagen. Der weit gefasste Begriff Art-Pop dürfte der am ehesten passende sein. Ansonsten gilt es mit Hingabe zu lauschen und einzutauchen in eigene, gleichzeitig fremde Welten, in denen Poesie, Fantasie, Mythologie und Romantik eine über- und untergeordnete Rolle spielen. Fliegen ohne abzuheben und abtauchen ohne unterzugehen.

Anspieltipps:

  • Eight Hundred Miles
  • Morgue – Die Unbekannte aus der Seine
  • A True Story Of Collapsing
  • White Mountain
  • Laura

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