Kelly Hogan - I Like To Keep Myself In Pain - Cover
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Kelly Hogan I Like To Keep Myself In Pain


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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10 1 8/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Country, Soul und Pop als warmes Klangbad. Das Glanzstück der Kelly Hogan.

Kelly Hogan dürften nicht allzu viele auf dem Radar haben. Dabei gehört sie zu den besten Country-Soul-Pop Sängerinnen unserer Zeit. Warum ihre Karriere nicht geradliniger verlief, bleibt eines der vielen Rätsel der Popmusikhistorie. Hogan startete bei The Jody Grind, die sogar R.E.M. Mastermind Michael Stipe beeindruckten. Nach ihrer Zeit bei The Rock*A*Teens startete sie 1996 ihre Solokarriere mit dem Debütalbum „The Whistle Only Dogs Can Hear“. Es folgte die Zusammenarbeit mit Jon Langfords The Pine Valley Cosmonauts, aus der das Album „Beneath The Country Underdog“ (2000) hervorging. In elf Songs setzte Kelly Hogan ihre klare Country-Soul-Stimme in Kontrast zu einer Band, die sowohl schroff rocken als auch die Balladen und das mittlere Tempo bedienen konnte. Bereits 2001 veröffentlichte Hogan ihr drittes Album „Because It Feel Good“, das ihre einzigartige Stimme noch zentrierter ins Klangbild setzte. Vor allem die diversen von Andy Hopkins und Jon Rauhouse gespielten Gitarren sowie Andrew Birds Violinenspiel waren mehr als eine Ergänzung zu Hogans Stimme. Spätestens mit diesem Album hätte sie in die erste Liga aufsteigen müssen.

Stattdessen wurde es still um die Südstaatlerin, die in Atlanta geboren wurde. Jedenfalls blieben Veröffentlichungen aus, das Singen und Musizieren jedoch, hat sie naturgemäß fortgesetzt. Sie sang mit und bei Interpreten wie Neko Case, Jakob Dylan, Mavis Staples, Otis Clay und Andrew Bird. Außerdem war sie mit ihrem Jazzquartett The Wooden Leg unterwegs. Dass sie nun auf dem Label Anti gelandet ist, wird ihr hoffentlich den verdienten Erfolg einbringen.

In den EastWest Studios in Hollywood, wo The Mamas & The Papas „California Dreaming“ und die Beach Boys ihr Meisterwerk „Pet Sounds“ aufgenommen haben, spielte Kelly Hogan ihr viertes Album „I Like To Keep Myself In Pain“ mit renommierten Musikern (Booker T. Jones, James Gadson, Gabriel Roth u.a.) ein. Herausgekommen ist eine großartige Country-Soul-Pop-Platte, in der die Liebe zur Musik in jedem Ton hervorscheint. Außer der Eigenkomposition „Golden“ hat sich Hogan Songs von Catherine Irwine (Freakwater), Andrew Bird, Robyn Hitchcock, Jon Langford, Vic Chesnutt u.a. zu Eigen gemacht.

Was heißt schon „zu Eigen gemacht“, Kelly Hogan und die Musiker blühen förmlich auf bei diesen 13 Songs und unterstreichen Hogans Aussage „The song is my boss. Always has been. Always will be.“ nachhaltig. Alles wird dem Song untergeordnet, jeder Ton sitzt exakt, das Zusammenspiel lebt von hoher Emotionalität, die zurückhaltend und gerade deshalb um so beeindruckender dargeboten wird. Booker T. Jones‘ Orgelspiel schleicht und schmiegt sich wie ein warmes Kätzchen um die Beine, in diesem Fall um die Seele des Zuhörers. Das Schlagzeugspiel ist ein hingetupftes, das des Basses dem ruhigen Puls und Impuls folgend. Die vorsichtig gezupften Gitarrensaiten streicheln die Gänsehaut und Hogans Phrasierungen die aufgestellten Nackenhaare. Ob der Schmerzen schöne Titelsong, das leuchtende „Golden“, das waidwunde „Ways Of The World“, das Piano getupfte „The Green Willow Valley“ oder das eindringliche in Blues und Soul wiegende „Pass On By“, letztlich ergeben die Songs in der Summe die Pracht des schönen Schmerzes, folgerichtig wird „I Like To Keep Myself In Pain“ zum Glanzstück der Kelly Hogan. Ziehen sie eine Linie von Dusty Springfield über Shelby Lynne. zu Kelly Hogan. Besser noch: Schließen sie die Augen und tauchen sie in das warme Klangbad dieses Albums!

Anspieltipps:

  • I Like To Keep Myself In Pain
  • Golden
  • Ways Of The World
  • The Green Willow Valley
  • Pass On By

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